August. Es ist glühend heiß, was schön ist, es macht Spaß. Alles spielt sich draußen im Freien ab. Da wird am Abend eine leckere Steinofenpizza an einer gemütlichen von der Schönhauser Allee wegführenden Seitenstraße verzehrt; danach geht’s ins Kino, der Film ist fast egal, das Popcorn muss schmecken. In den Bezirken sind alle möglichen Leute unterwegs, es wird getrunken und getanzt, die Luft ist lauwarm, die Tram-, S- und U-Bahnen fahren ununterbrochen, überall in den Wohnungen, Bars, Restaurants, Schaufenstern und so weiter, sind die Lichter an und erhellen die Stadt. Am nächsten Morgen wird man von den Baggern aus dem Schlaf gerissen. Die Bauarbeiten ziehen sich durch die ganze Stadt, die eigentlich pleite sein soll, und reichen bis zur eigenen Haustür. Bücher eignen sich zu jeder Jahreszeit. Im Sommer wird am See oder im Café gelesen, im Winter kuschelt man sich mit dem Gedruckten unter die Bettdecke. An letzteres wird aber jetzt nicht gedacht! Also – was könnte wohl außerhalb von Nahrung und Sonnenmilch noch in den Picknickkorb?
Wie wäre es mit 400 Seiten Monty Python Humor? Eric Idle – Kinderbuchautor und einstmaliges Mitglied der kultigen Spaßtruppe – legt seinen ersten Roman für Erwachsene vor, worin ein Roboter, eine gefühllose Maschine also, das Wesen der Komik im Jahre 2030 zu erklären versucht, wobei jene wissenschaftliche Ergründung auf einem Komikerduo basiert, das, weil auf der Erde alle Aufträge ausgegangen sind, sich zum Mars, das Las Vegas der Zukunft, aufmacht. Die Reise zum Mars ist im List Taschenbuch Verlag erschienen.
Der Name Haruki Murakami fällt in dieser Kolumne nicht zum ersten Mal. Sein neuestes Buch könnte sogar wirklich was für den Tag am Baggersee sein: Eine Dreiecksgeschichte, wobei es sich um junge Studenten handelt, die zwischen Beständigkeit und Aufstand hin und her gerissen sind, suizidales Verlangen mit Lebenslust Hand in Hand geht, das alles auf Japanisch. Warum nicht? Naokes Lächeln (Dumont Köln) wurde selbst im Literarischen Quartett besprochen, wobei die Diskutierenden besonders die verschriftlichten Töne wie peng oder pow erwähnten. Erinnert schon irgendwie an Comics, hier sogar ein wenig an die Mangakultur Japans.
Bleiben wir doch in der modernen Zeit, ziehen jedoch dabei einen Klassiker herbei:Macbeth von Shakespeare. Bei den Salzburger Festspielen ging’s mal wieder richtig zur Sache, so dass die Feuilletonisten noch Tage danach damit beschäftigt waren, das Für- und Wider der Calixto Bieito Inszenierung abzuhandeln, inmitten deren Aufführung die Besucher exodushaft den Saal verließen, Buhrufe und sonstige Formen der Empörungen artikulierten. Auf der einen Seite wurde gesagt, dass so Theater sein müsse, also aufwühlend und schockierend, auf der anderen, dass z.B. eine Szene, die Nekrophilie andeutet, zu weit ginge. Die Frage, ob dieser modische, grobe Realismus ohne Tiefe, etwa im Stil von Oliver Stones : Natural Born Killers, die sich in den letzten Jahren in die Theaterlandschaft eingenistet hat, nicht allmählich langweilig wird, hat sich bisher noch niemand gestellt.
Und weiter geht es mit Tod und Popkultur! Benjamin von Stuckrad – Barre fand es überhaupt nicht witzig, als er von der Satirezeitschrift Titanic aufs Korn genommen wurde. Diese Zeitschrift warb – natürlich ironisch gemeint – für eine Lesung des sogenannten Popliteraten, in dem sie, anstatt Barre selbst, ein Bild des hingerichteten Oklahoma – Attentäters Timothy McVeigh in jenem Zusammenhang zeigten. Weitere Klagen des Schriftstellers: Gegen den Internetdienst Thema1 und die kostenlose Berliner Stadtzeitschrift 030, weil diese zu wissen meinten, was Barre angeblich auf einer Klubtoilette tat und jenes noch veröffentlichten, was deutlich beweist, dass dieser Mensch wohl mehr Bücher verkauft hat, als ihm gut tat, da ihm anscheinend dabei der Humor abgegangen ist.
Literatur auf Tonträger! Vor etwa zwei Jahren tourte Schauspieler André Eisermann mit dem Pianisten Jakob Vinje durch die Lande um mit Will Quadflieg als Gast eine Literaturinszenierung der besonderen Art vorzunehmen, was auch dann gleich auf CD gebannt wurde. Lohnenswert und vom Alltag wegführend: : André Eisermann – Goethe Werther Eisermann vom Musikverlag BMGWort.
Wer die gute, alte und klassische Science Fiction Literatur mag, aber auch der neueren nicht ablehnend gegenübersteht, wird wohl mit diesem Hörspiel seinen Spaß haben: :The Time Machine (Alien Voices Inc.) von H. G. Wells. Als Hauptsprecher zeichnen sich Leonard Nimoy alias Mr. Spock und John de Lancie, der in den neueren Star Treck Serien die Superintelligenz Q spielt, verantwortlich. Interessant an jener Geschichte sind unter anderem die Zukunftsvisionen, welche die Autoren vor mehr als hundert Jahren hatten. Aber auch schon damals war schon ein mahnender Unterton in Sachen Zukunft vertreten, wenn es um das Verhalten der Menschheit in der Gegenwart ging.
Bleiben wir doch in dieser schiftstellerischen Epoche, gehen aber von Zeitmaschinen, Utopien und so weiter weg, um zu Einbrüchen, Betrügereien und Morden zu kommen. Eine Sammlung kleiner, klassischer Kriminalnuke_stories bietet das Buch: :Das falsche Haus (Reclam Leipzig) 13 Kriminalnuke_stories von E. A. Poe bis Henry Cecil. Ein Buch für den Strand, Zuhause oder auch für die Straßenbahn, welches sich zudem noch eignet, den einen oder anderen Autoren, wie etwa Arthur Conan Doyle, den man eigentlich kennen sollte, noch zu entdecken.
10 000 Mark für 7 Seiten ( 30 Zeilen à 60 Anschläge )! Hier handelt es sich um den Walter – Serner – Preis, vom Radio-Kultur, Literaturhaus Berlin und der Verlagsgruppe Random House ausgeschrieben. Gewinnen könnt ihr diesen, wenn ihr eine Kurzgeschichte über das Leben in den Großstädten schreibt und diese an folgende Adresse schickt: SFB, Stichwort: Walter – Serner – Preis, 14046 Berlin. Zeit habt ihr bis Ende September. Viel Glück!
Keine Lyrik, dafür aber Science Fiction, Krimis und Literaturtratsch. Beim nächsten Mal wird der Verfasser dieser Zeilen wieder versuchen, der Poesie ein, zwei Zeilen zu widmen. Jetzt geht’s erst mal raus an die frische, sommerliche Luft, weg von der PC – Kiste. Hoffentlich war etwas interessantes für euch Leserinnen und Leser der Kolumne dabei. Übrigens: Ein kleines Feedback, den monatlichen Corner betreffend, wäre auch nicht schlecht.
Bis zum nächsten mal, viel Spaß beim Schreiben und verschlingen der Bücher!