Literaturagentin Tuesday Next nimmt ihren wohlverdienten Mutterschutzurlaub – in dem Plot eines unveröffentlichten Krimis. Hier fühlt sie sich sicher vor den Feinden, die sie in der Außenwelt bedrohen und denen schon ihr Ehemann zum Opfer gefallen ist. Was Tuesday nicht bedacht hat, ist die Tatsache, dass in der fiktiven Welt Mord zum guten Ton gehört, denn auch Romanfiguren müssen ihr Überleben bei härter werdender Kokurrenz sicherstellen.
Über das literarische Austauschprogramm tauscht LitTecAgentin Tuesday Next vorübergehend den Platz mit Mary, einer Nebenfigur aus einem unveröffentlichten Kriminalroman mit wenig Chancen auf Veröffentlichung. Von hier aus hofft sie, ihren Ehemann Landen, der nur noch in ihrer Erinnerung lebt, zurückholen zu können, während sie von Miss Havisham, der sitzengelassenen Braut aus Dickens Roman Große Erwartungen, in die Pflichten eines Mitglieds der Jurisfiktion eingewiesen sind.
Schon bald erkennt Tuesday, dass ihr neues Aufgabengebiet einige Überraschungen bereithält, denn nicht nur soll die Einführung eines neuen Literatursystems erprobt werden – BOOK V.8 ist hoffnungslos veraltet – die Figuren ihres Gastromans erhoffen von der "Außenländerin" eine glorreiche Idee, wie sie ihre Einstampfung verhindern können, und Aornis, die kleine Schwester des größten Verbrechers der Welt, versucht, sie Erinnerungen zu manipulieren. Und als ob das alles nicht reichte, wird Tuesday Zeuge, wie Miss Havisham ein Ärgermanagement-Seminar bei den Figuren aus Wuthering Heights durchführt.
Nachdem Ausnahmeagentin Tuesday Next in Der Fall Jane Eyre und In einem anderen Buch in einem fiktiven, doch halbwegs realitätsbezogenen England ihrem aufreibenden Job nachkam, taucht sie im dritten Band der Reihe vollständig in die Welt der Fiktion ein. Autor Jasper Fforde macht es sich zur Aufgabe, die Welt, wie ist ist, aus der Sicht einer Gesellschaft zu erklären, die durchweg aus literarischen Figuren besteht. Die humorvolle Art, mit der er das Verhältnis von Schöpfer und Geschöpf neu definiert, verrät nicht nur seine erstaunliche Originalität sondern auch eine tiefe Liebe zum geschriebenen Wort. Es ist beinahe unheimlich, wie mühelos der Leser seine Heldin Tuesday als "wirkliche" Figur im Gegensatz zu den "literarischen" wie Heathcliff oder Mr Toad akzeptiert.
Der Roman ist eine überschäumende Sammlung burlesker Ideen, die jeden Bücherfreund – ob Laie oder Profi - begeistern wird. Endlich erfahren wir, was aus den Satzzeichen in Ulysses geworden ist und was das literarische Pendant zur Oscarverleihung ist. Dass die Kontinuität der Handlung zugunsten einer Fülle liebevoll ausgearbeiteter Details bisweilen vernachlässigt wird, kann man dem Roman verzeihen. Immerhin hat Fforde im wahrsten Sinne des Wortes aus den Wogen der TextSee eine neue Welt geschaffen. Und soviel sei verraten: Tuesday kehrt zurück – in ihre eigene Welt und in die Buchläden!
Fazit: Irrwitziges aus dem Splitter der letzten originellen Idee