John M. Coetzee : »Einer der besten Schriftsteller der Welt.« (Sunday Times)
Der Südafrikaner John M. Coetzee (gesprochen 'Kudzí') gehört mit seinem umfangreichen literarischen Werk zu den meistgerühmten Autoren der Gegenwart.
Er ist 1940 als Sohn eines Rechtsanwalts und einer Lehrerin in Kapstadt geboren und wuchs in der südafrikanischen Provinzstadt Worcester (160 Kilometer nördlich von Kapstadt) auf. Nach dem Studium der Mathematik und Literatur ging er 1962 nach London, wo er als Computerprogrammierer, u. a. bei IBM, arbeitete.
1965 setzte er an der Universität von Austin, Texas, sein Literaturstudium fort und promovierte mit einer Arbeit über den Prosastil Becketts. Von 1968 bis 1971 lehrte er als Assistant Professor englische Literatur an der State University of New York in Buffalo, bevor er 1972 in seine Heimatstadt Kapstadt zurückkehrte, wo er von 1972 bis 2002 einen Lehrstuhl für Literaturwissenschaft innehatte. Gastprofessuren führten ihn immer wieder an berühmte amerikanische Universitäten, u. a. die Johns Hopkins und die Harvard University. Seit 1966 ist er Mitglied des Committee on Social Thought der University of Chicago.
2002 übersiedelte Coetzee nach Adelaide in Australien und setzt an der dortigen Universität seine wissenschaftliche Lehrtätigkeit fort.
J. M. Coetzee begann ungefähr im Alter von 30 Jahren zu publizieren: sein erster Essay erschien 1969, sein erster Roman 1974. Seitdem hat er insgesamt neun Romane, fünf Bände Essays und zwei autobiographische Erinnerungsbücher ('Der Junge. Eine afrikanische Kindheit' 1997 und 'Die jungen Jahre' 2002) veröffentlicht. Daneben hat er zahlreiche Aufsätze und Rezensionen zu Werken anderer Autoren geschrieben, meist für die 'New York Times Review of Books'.
Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Romane 'Warten auf die Barbaren' (im Original 1980, dt. Ausgabe 1984, Neuausgabe in neuer Übersetzung 2001) – dieses Buch brachte Coetzee 1980 den internationalen Durchbruch als Autor –, 'Leben und Zeit des Michael K.' (Orig. 1983, dt. Ausg. 1986) und 'Schande' (Orig. 1999, dt. Ausg. 2000).
Für sein umfangreiches literarisches und essayistisches Werk wurde J. M. Coetzee mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Prix Femina Etranger (Frankreich 1985), dem Jerusalem Prize (Israel 1987), dem Premio Feronia (Italien 1995), dem Commonwealth Writers Prize (Afrika 1995), und erhielt als erster Autor zweimal den Booker Prize, die höchste literarische Auszeichnung Großbritanniens, 1983 für seinen Roman 'Leben und Zeit des Michael K.' und 1999 für den Roman 'Schande'. 2003 wurde ihm der Nobelpreis für Literatur verliehen.
J. M. Coetzee Zeitlupe Aus
dem Englischen von Reinhild Böhnke S. Fischer Verlag 304
Seiten, gebunden Preis EUR 18,90 Preis SFR 33,40 ISBN
3-10-010833-7
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Coetzee zeichnet sich in seinen Werken durch stilistische Brillanz, eine außerordentliche Subtilität der Wahrnehmung und die Verklammerung eines hohen ästhetischen mit einem hohen ethischen Anspruch aus. Ethik und Literatur sind bei Coetzee stets untrennbar miteinander verbunden, jedes seiner Werke, ob es nun fiktional oder wissenschaftlich-kritisch ist, enthält immer auch starke Anteile des jeweils anderen: intellektuelle Schärfe und eine starke Mitsprache der Reflexion prägen seine Romane wie umgekehrt narrative Elemente seine essayistischen Arbeiten.
Coetzees Werk ist geprägt von existentiellen Fragestellungen, insbesondere der nach Würde und Mitverantwortung des einzelnen unter einem Regime, das sich über Recht und Anstand hinwegsetzt: Wie kann der einzelne Selbstrespekt bewahren in einer degradierten sozialen Ordnung? Welche Formen der Distanzierung, der Verweigerung, des Protests sind glaubhaft und wirkungsvoll?
Coetzees Romane verzichten auf eine vordergründig politische Argumentation, sondern tendieren zu abstrahierend-allegorischen Darstellungsformen, wodurch sie ihre philosophische Dimension gewinnen. "Ich mag nicht das Entweder-oder", sagte Coetzee 1996 einmal in einem Interview. Sondern Perspektiven, Brüche. "Ich hoffe, daß ich zumindest versuche herauszuarbeiten, was in jedem Fall darunterliegt. Ich ziehe keine Flagge auf."
Literaturpreise und Auszeichnungen:
u. a.: Lannan Literary Award 1998, Booker Prize 1983 (für 'Leben und Zeit des Michael K.'), Booker Prize 1999 (für 'Schande'), Commonwealth Writers Prize 1999 (für 'Schande'), "Königreich von Redonda-Preis" 2001, Literaturnobelpreis 2003
(c) S. Fischer Verlag, Bildnachweis Autorenfoto: Bert Nienhuis
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