Es war ein historischer Tag im Jahre 2000. Nach langem Hin und Her ist mein Exfreund ausgezogen und der Stress hatte endlich ein Ende. An diesem Abend hab ich mich hingesetzt und mir vorgenommen, jetzt sofort etwas zu machen, was ich schon immer machen wollte. Alle Folgen von der "Schwarzwaldklinik" oder "Fackeln im Sturm" am Stück schauen, die Fenster zu putzen oder die Unterlagen für die Einkommensteuer heraussuchen.
Oder: Ein Buch schreiben. Die letzte Idee fand ich am besten. Dann habe ich mich einfach hingesetzt und angefangen. Ohne Plot, nur mit groben Ideen. So entstand "Fremd küssen", mein erstes Buch, das 2003 im Fischer Taschenbuch Verlag erschienen ist. Darin geht es um eine unglückliche Radiomoderatorin, die mit ihrem Unterweltlerfreund Pitbull Panther beschließt, einen Swingerclub zu eröffnen.
Können Sie uns etwas über Ihre Reaktion nach Ihrem ersten Buch erzählen? Wie hat Ihre Umwelt reagiert...
Was mich sofort jeder gefragt hat: "Hast du das wirklich ALLES selbst erlebt? Komme ich drin vor?" Wenn einer drin vorgekommen ist: "Aber du hast doch nur Gutes über mich geschrieben, oder?". Wenn einer nicht drin vorgekommen ist: "Du bist doof." Was sehr schön war: Viele Freunde und Bekannte von früher, also aus der Schulzeit oder der Zeit meiner Ausbildung, haben sich gemeldet und gefragt: "Wir haben das Buch gesehen, bist du das wirklich?" Leider gibt es auch Leute, die eher neidisch waren, das ist natürlich nicht so toll. Aber überwiegend hat die Umwelt sehr positiv reagiert. Ein Glück. Und dass meine Schwiegereltern, die wirklich sehr belesen sind und sich bestens mit Kafka und Goethe auskennen, meine Bücher auch lesen und stolz sind, freut mich natürlich sehr. Mein allererster Leser allerdings ist immer mein Mann Fridtjof, der bekommt das erste gedruckte Exemplar und liest es dann auch wirklich bis zum Ende (er behauptet, meine Bücher würden ihm gefallen, aber was sagt man nicht alles, um Streit zu vermeiden?). Mein Sohn Philipp findet meine Bücher übrigens "voll abgedreht", wahrscheinlich hat er deswegen noch keines zu Ende gelesen. Ich kann es ja verstehen ...
Wie entwickeln Sie die Charaktere und die Geschichten?
Fünfzig Prozent habe ich selbst erlebt (ja, ich bin ein Schussel und verhaltensblond und ein Bewegungslegastheniker, mir passieren immer die unmöglichsten Sachen, und die verwurste ich in meinen Büchern), die anderen fünfzig Prozent erfinde ich, indem ich Situationen oder einfach Leute auf der Straße oder im Café beobachte oder mir einfach was ausdenke. Manchmal fällt mir auch während des Schreibens spontan eine neue Figur ein. Meistens sind es total schräge Typen und fast immer klischeebeladen. Gerade die liebe ich so sehr: Die Nicht-Normalen.
Wie sieht ein typischer Schreibtag aus?
Die Schreibtage sind immer unterschiedlich. Mal fange ich um neun Uhr morgens an, haue drei Stunden weg oder auch mal einen ganzen Tag, manchmal fange ich erst mittags an oder schreibe abends. Wenn es mich überkommt, auch bis spät in die Nacht, wenn es ringsum herrlich ruhig ist. Tagsüber klingelt immer irgendwer oder das Telefon. Und ich schreibe sehr gern, wenn wir segeln gehen. Am späten Nachmittag im Hafen bei einem leckeren Gin-Tonic kommen mir die besten Ideen. Außerdem werde ich von meinem Mann dann immer so nett bedient. Das muss man doch ausnutzen!
Worum geht es in Reeperwahn?
Um Sex und Sünde ?) Okay, ein bisschen um Sex und weniger um Sünde. Fünf Mitarbeiterinnen des Kiez-Reports, einem Hamburger Schmuddelsexblättchen, fühlen sich von den Männern ausgenutzt und haben nach einem sektbeladenen Nachmittag die glorreiche Idee, Herbert, ihren Chefredakteur, umbringen zu lassen, weil der nämlich Schuld hat an der ganzen Misere. Also begeben sich die fünf abends in eine Spelunke, um einen Auftragskiller anzuheuern. Dass dabei und danach und überhaupt alles drunter und drüber geht, kann man sich vorstellen, wenn man die ersten Seiten gelesen hat. Ach ja, und da gibt es noch Heinrich, den Redaktionsalligator, Giselher, einen Bestattungsunternehmer, der aber nur lustige Begräbnisse ausrichtet, und Giorgio Simader, einen übereifrigen Polizisten. Und Washington, den pubertierenden Sohn von Liesel. Und noch viele mehr ...
Was sind Ihre nächsten Buchpläne?
Im März erscheint – auch bei Fischer im Taschenbuch – mein nächster Roman "Die Knebel von Mavelon". Darin geht es um eine junge Frau, die zufällig die Anti-Baby-Pille erfindet und daraufhin von der katholischen Kirche durch ganz Deutschland gejagt wird. Zum Glück wird sie von Bertram, einem Henker, der kein Blut sehen kann, unterstützt und von Paracelsus und seinen Söhnen Canesten und Laxoberal. "Die Knebel von Mavelon" ist wieder ein witziges Comedy-Buch, allerdings mit richtiger historischer Recherche, jawoll ja! Und das macht richtig Spaß, das Wühlen in der Vergangenheit. Was sonst noch kommt? Überraschung!
Tipps für Leser und die, die gerne schreiben?!
Man muss das, was man schreibt, auch wirklich gut finden! Und dahinterstehen. Einfach nur so irgendwas schreiben, das funktioniert meines Erachtens in den allerwenigsten Fällen. Ich hab zwar auch erst mal so angefangen, also einfach drauf losgetippt – das aber auch gleich für gut befunden. Und: Man muss Geduld haben und hartnäckig sein. Die Verlage bekommen so viele unverlangt eingesandte Manuskripte, können oftmals gar nicht alle lesen, und es gehört schon ein bisschen Glück dazu, dass das klappt. War bei mir auch so. Ich hatte acht Absagen oder so für "Fremd küssen", bis ich dann meine letzte eMail an den Fischer Verlag geschickt habe und dachte: Wenn die es jetzt auch nicht wollen, dann lasse ich es einfach für immer bleiben. Ein paar Wochen später dann der Anruf: "Wann können wir uns denn mal wegen eines Vertrages zusammensetzen?" Ich war sprachlos und dachte erst, dass man mich verwechselt. Man hat mich aber nicht verwechselt. Juhu!
Tipps für Leser:
Macht euch ein paar schöne Stunden, nehmt die Bücher nicht zu ernst und habt einfach Spaß. Was ich mache, ist bestimmt keine große Literatur, aber ich sag immer gern an dieser Stelle: Manchmal schmeckt eine Pizza besser als ein Fünf-Gänge-Menü. Ist doch so!
Wir danken für das Interview.
Weiterführende Links:
Autorenporträt Steffi von Wolff
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