Man liest wieder Krimis
Interview mit der Autorin Kari Köster-Lösche
Man liest Krimis, in denen die Hauptpersonen einer anderen Beschäftigung nachgehen und auf eigene Faust ermitteln - wie kamen Sie auf den
Deichbauinspektor Sönke Hansen?
In der Zeit, zu der der Krimi spielt (1894), gab es keine Kriminalpolizei im heutigen Sinne. Hingegen hat eine Deichbauinspektion auch 1894 natürlich Fachleute, deren täglich Brot der Umgang mit den Wattströmen ist. Deshalb lag es für mich nahe, Kriminalfälle, die im Wattengebiet angesiedelt sind, durch einen cleveren Deichbaufachmann aufklären zu lassen.
Wird es weitere Fälle mit Sönke Hansen geben?
Zunächst sind 3 Bände geplant. Am zweiten Band arbeite ich gerade.
Wie sieht ein "typischer" Schreibtag aus?
Schreibbeginn zwischen 7.30 und 8.00 Uhr. Schreiben incl. kleiner notwendiger Recherchen im Internet und in vorhandener Literatur sowie Arbeit in Seekarten (speziell für dieses Buch, natürlich) bis etwa 15.00 Uhr, unterbrochen durch kurzen Lunch (oder auch nicht). Anschließend Beantwortung von Post, Korrespondenz mit meinem Agenten oder dem Verlag, weitere Recherche, evtl. Vorbereitung auf Lesung.
Wie kommt man als promovierte Bakteriologin zum Romanschreiben?
Ich schied zwar wegen Schwangerschaft aus meiner wissenschaftlichen Tätigkeit aus, hatte aber nie die Absicht, das Berufsleben aufzugeben. Nach einem Umzug nach Nordfriesland gab es für mich jedoch keine Möglichkeit mehr, meine größte Leidenschaft, die Chirurgie, auszuüben. Stattdessen entdeckte ich, dass ich schreiben konnte - jetzt nicht mehr trockene Berichte, sondern Romane, in denen ich obendrein meine überbordende Phantasie unterbringen konnte. Und als ich erst einmal Blut geleckt hatte …
Was macht für Sie einen guten Krimi aus?
Spannung und Logik im Geschehen, dazu interessante Details aus Fachgebieten, in denen mir eigenes Wissen fehlt.
Sie leben längere Zeit im Jahr auf Langeness - haben Sie beim Hinzug ähnliche Erfahrungen wie Sönke Hansen gemacht? Gilt man auch nach Jahren
noch als Zugereister?
In jedem ländlichen Gebiet gilt man als Zugereister, wenn man dort nicht geboren ist. Nordfriesen sind tolerant genug, Zugezogene trotzdem in die Gemeinschaft zu integrieren, auch und vor allem auf der Hallig. Sönke Hansen erlebt eine spezielle Situation, unter anderem auf dem Hintergrund des preußisch-dänischen Konfliktes, die heute so nicht mehr denkbar ist.
Was fasziniert Sie an historischen Romanen?
Die Möglichkeit, Kenntnisse zu vermitteln, die weithin unbekannt sind. Ich habe jedoch gelernt, dies ganz unauffällig zwischen den Zeilen zu tun. In erster Linie soll auch der historische Roman durch seine spannende Handlung fesseln.
Woran arbeiten Sie gerade?
Ich bin dabei, den zweiten Sönke-Hansen-Krimi, mit dem Titel: Der Austernmörder zu korrigieren.
Besprechung zu Mit der Flut kommt der Tod
Leseprobe zu Mit der Flut kommt der Tod (pdf)
Autoreninfos
Weitere Interviews & Porträts
Die Fragen stellte Sven Trautwein - (c) Foto Kari Köster-Lösche