Humorist und Philosoph - Zum Tode von Ephraim Kishon
Von Beginn der 60er Jahre an kam kaum ein deutsches Bücherregal ohne die Titel "Dreh'n Sie sich um, Frau Lot", "Arche Noah, Touritenklasse oder "Der Fuchs im Hühnerstall" aus. Unpolitische aber satirisch und scharfzüngig formulierte Ephraim Kishon seine über 50 Bücher, die mit mehr als 40 Millionen verkauften Exemplaren und Übersetzungen in 37 Sprachen nicht nur in Deutschland große Erfolge feierte.
Die Verlegerin Brigitte Fleissner-Mikorey sagte am Sonntag in München, dass der Verlag Langen Müller Herbig mit Kishon einen herausragenden Autor verloren habe. Noch am vergangenen Donnerstag erteilte er die Druckfreigabe zu seinem neuen Buch "Kishon für Österreicher - und alle, die es gerne wären". Seit mehr als 50 Jahren war Kishon bei Langen Müller Herbig auf der Erfolgsspur.
Ephraim Kishon, der eigentlich Ferenc Hoffmann hieß, wurde 1924 als Sohn eines Bankdirektors in Budapest geboren. Er studierte Kunstgeschichte und Bildhauerei. Mit knapper Not dem Vernichtungswahn der Nazis entkommen, floh er 1949 nach Israel, wo er einen Neuanfang als Schriftsteller wagte. Seine Glossen machten ihn berühmt.
Auch für Israel ist es ein großer Verlust, so heißt es in vielen Meldungen, obwohl Kishon dem Land auch kritisch gegenüberstand. Die Gründung des jüdischen Staates betrachtete er zwar als größtes Wunder des 20. Jahrhunderts, fühlte sich aber oftmals von anderen Intellektuellen und Kriktikern in Israel ungerecht behandelt.
Die Erfolge in Deutschland hätten ihn besonders gefreut. Es sei für ihn ein besonderes Gefühl gewesen, dass die Kinder seiner Henker jetzt seine Bewunderer seien, habe er einmal erklärt, berichtete sein Sohn Rafi Kishon.
2002 erhielt Kishon den israelischen Staatspreis. Ephraim Kishon verstarb am 29. Januar in seinem Haus in Appenzell.