1) Ist Edinburgh der Prototyp einer "Jeckyll & Hyde"-Metropolis? Warum gerade Edinburgh?
Edinburgh ist für mich eine faszinierende und komplexe Stadt. Viele Besucher und Touristen haben eine vorgefasste Meinung - für sie ist es eine Stadt der Kultur (das Edinburgh-Festival), Tradition, die Burg und die Sehenswürdigkeiten.
Aber es gibt eine andere Stadt, die dahinter hervorschaut - eine Stadt mit einem Drogenproblem, Prostitution, Verbrechen, Arbeitslosigkeit und sozialen Entbehrungen. Dies macht aus Edinburgh eine Jeckyll&Hyde-Stadt. Für viele Jahre hat es seine Probleme vor der Welt versteckt, hinter einer "Maske der Erleuchtung" und Zivilisation.
2) Gibt es literarische und echte Beispiele?
Jekyll & Hyde beruhten teilweise auf eine lebende Person in Edinburgh. Sein Name war William Brodie - tagsüber Gentleman, Einbrecher bei Nacht. Man bekommt einen Eindruck von dem anderen Edinburgh bei Nacht... die Zeit, wenn die Dämonen zum Spielen kommen.
3) Was ist für Ihre Romane wichtiger (Handlung, Ort, Charaktere oder Hintergrundinformationen)?
Ich glaube die Handlung entwickelt sich aus den Charakteren und wie sie miteinander in Beziehung treten; alle meine Charaktere werden durch ihre Umwelt beeinflusst - so ist Edinburgh für mich die Hauptfigur in meinen Romanen. Ich beginne eine Geschichte mit einem Thema, das ich näher beleuchten möchte, etwas, dass die modernen Aspekte Schottlands erklären hilft (z.B. Politik (nationale und regionale), Wirtschaft, Rassismus...).
4) Warum müssen Kommissare Single oder geschieden sein?
Polizisten müssen nicht Single oder geschieden sein... aber es hilft dem Autor, wenn sie es sind. Ich mag es über Figuren mit Motivation zu schreiben. Wird Rebus in einen Fall verwickelt, hat er kein "Gepäck" zu Hause - er muss nicht pünktlich zum Abendessen zu Hause sein; er muss nicht mit den Kindern spielen oder ihnen bei den Hausaufgaben helfen. Er kann sich einzig und allein auf seine Arbeit konzentrieren. Ich mag Einzelgänger,... wohlmöglich weil Autoren auch in gewisser Weise Einzelgänger sind. Alles zusammen sind wir am glücklichsten wenn wir alleine in einem Raum sind, nur mit etwas Papier und einem Stift.
5) Rebus gilt als Menschenschinder - sein Team muss hart arbeiten - hat er auch eine persönliche Seite?
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Rebus hat eine protestantische Arbeitseinstellung, die typisch für die Arbeiterklasse ist... und er sieht nicht ein, warum andere nicht genauso hart arbeiten wie er! Wenn er nicht arbeitet, kann er meistens in seinem Stamm-Pub (Oxford-Bar - http://www.oxfordbar.com) gefunden werden - er gibt seinen Kollegen auch gerne ein Bier aus... aber nur so lange sie ihm auch wieder eines ausgeben!
6) Woher bekommen Sie Ihre Einfälle (Zeitung, Fernsehen, andere Bücher...)?
Sie kommt aus mir selbst. Normalerweise beginnt ein Buch mit einer Frage, die ich mir selbst gestellt habe (z.B.: Was denke ich über Asylsuchende?). Danach folgt die Recherche (durch das Lesen von Zeitungen, Interviews mit in Frage kommenden Menschen) und dann beginne ich mit dem Schreiben, in der Hoffnung, das Buch (und Rebus) werden die Frage für mich beantworten.
7) In Die Kinder des Todes wirft ein ungelöster Fall ein schlechtes Licht auf Rebus und sein Team. Wird Rebus dadurch noch mysteriöser?
In Die Kinder des Todes wollte ich Rebus fühlen lassen, wie es ist unter Verdacht zu stehen. So habe ich ihm verletzte Hände verpasst, so dass er sich für Hilfe auf seine Kollegen verlassen muss. Zudem wollte ich, dass die Fans der Serie sich Gedanken machen, ob Rebus in ernstes Verbrechen verüben kann, der Mann, den sie zu kennen glauben. Wie viel Selbstschutz hat er?
8) Wie wichtig sind humorvolle Dialoge und welche Rolle spielen sie in den Romanen
Humor ist wichtig, auch und erst recht wenn es um wichtige Themen geht. Zum Beispiel haben Polizisten (und Anwälte,... und Menschen, die in Leichenhallen arbeiten) einen großartigen Humor. Sie nutzen ihn als ein Schutzschild gegen die teilweise grausamen Erlebnisse in ihren Jobs. Wenn ich eine sehr spannungsgeladene und aufregende Szene geschrieben habe, ist es schön, dem Leser (und meinen Figuren) mit einem Witz aus der Situation zu helfen.
9) Warum sind Krimis & Thrillers weltweit Bestseller?
Nun, Krimis sind einfach gut geschrieben und fesselnd. Sie haben eine streng traditionelle Erzählweise. Sie schildern das Hier-und-Jetzt, mit den Problemen des alltäglichen Lebens und sie stellen ihren Lesern große moralische Fragen. Zudem sind Menschen fasziniert von den Fragen und Puzzles von Krimis. Und wir sind selbst an unseren Urinstinkten interessiert - was treibt uns zu Gewalt,... Mord bleibt das letzte Tabu. Dies ist etwas, was uns auch weiterhin faszinieren wird.