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Andrew Taylor - Ein Interview PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sven Trautwein, am 25-11-2004 07:11
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Favoriten 14

Andrew Taylor - Ein Interview - Foto (c) Caroline TaylorAndrew Taylor : Ein Interview

1) Ihre Romane werden zwar als Kriminalromane bezeichnet, dennoch scheinen Sie die Psychologie Ihrer Figuren im Vordergrund zu stehen. Was macht für Sie einen gelungenen Kriminalroman aus?

Für mich macht es die Motivation und das Sonderbare aus, die wirbelnden Bewegungen des menschlichen Verstandes - vor allem wenn diese sich gegen den Charakter wenden oder einen Konflikt. Patricia Highsmiths Ripley-Romane haben mich sehr beeinflusst, als ich 1980 begann - sie zeigte auf, wie komplex, moralisch und psychologisch, ein Kriminalroman sein konnte. Dies war eine Befreiung - es bewies dass Kriminalliteratur nicht an moralische "Einfachheiten" eines Dorfes à la Mayhem Parva oder einer amerikanischen Großstadt gebunden zu sein hat. Die Gefahr der kriminalistischen Erzählungen hat die Tendenz formelhaft zu werden. Deshalb mag ich Krimis, in denen die Autoren experimentieren. Frances Fyfield und Artura Perez Reverte gehören zu meinen Favoriten, sowie Gunnar Staalesen und Jose Carlos Somoza.

2) Sie beschreiben die Atmosphäre Ihrer Schauplätze mit viel Atmosphäre. Lassen Sie sich auch sonst für die Handlung von der Realität beeinflussen?

Die Schauplätze untermauern die meisten meiner Romane und häufig sind es die ersten Dinge, die ich entscheide und auswähle. Häufig beginne ich einen Roman mit einem fertigen Bild des Schauplatzes und der Charaktere, jedoch mit fast keiner Idee für die Handlung.
Die Serie, die in Lydmouth spielt, entstand aus dem Drang Krimis zu schreiben, die in einer fiktionalen Welt spielt, die meiner Heimat gleicht - der Grenze zwischen England und Wales; eine Region, die ein starkes Gespür für ihre Trennung vom Rest der Welt hat. In den 1950er Jahren war es noch viel unabhängiger als heute. Mit der Serie von Krimis wollte ich eine ganze Gemeinde darstellen, eine "Miniatur-Gesellschaft" in einem entsprechenden Rahmen.

3) Inspector Thornhill gehört ja mittlerweile zu den beliebten "Seriendetektiven". Glauben Sie, dass irgendwann der Zeitpunkt kommt, an dem es besser ist für eine Reihe ist, abzutreten?

Ich glaube, Thornhill ist noch nicht reif für die Rente! Ich glaube da gibt es noch viel, was ich selbst über ihn noch nicht weiß. Ein Vorteil der Lydmouth-Serie ist, dass ich mich auf eine Gruppe von Hauptcharakteren und nicht nur auf einen einzelnen konzentrieren kann. So ergibt sich weniger die Gefahr (hoffe ich!), dass irgendeiner von ihnen zu einer Karikatur seiner selbst wird.

4) Thriller und harte Action steigen weiter in der Gunst der Leser. In welche Richtung wird sich das Genre "Krimi" in der Zukunft Ihrer Meinung nach entwickeln.

Es wird immer einen Platz für actiongeladene Thriller mit hochgerüsteten Autos und tödlichen Waffen geben - warum auch nicht! Aber der Kriminalroman wird sich in verschiedene andere Richtungen entwickeln. Der Kriminalroman wirkt nicht mehr so erzwungen und hat in vieler Weise Ähnlichkeiten mit Mainstream-Literatur. Ich vermute, dass viele Krimiautoren von heute eher Belletristik geschrieben hätten, wenn sie vor 50 oder 100 Jahren gelebt hätten. Nun können sie die selben Themen beleuchten, die gleichen Fähigkeiten anwenden und mehr und mehr Leser durch den Kriminalroman erreichen.

5) Wie entwickeln Sie Ihre Romane?

Rahmenhandlung, Charaktere und Thema sind alle wichtig. Diese kommen meist zuerst. Sie müssen sich erst in meinem Unterbewusstsein vermischen und ich brüte regelrecht über ihnen; das eine oder andere Mal treibe ich sie mit einem Klecks Nachforschung voran. Die Handlung entwickelt sich bei mir direkt durchs Schreiben.
Für mich ist es schwierig einen Roman abstrakt zu planen. Ich muss erleben, wie die Charaktere auf dem Papier interagieren. Es kann ein sehr langer und ärgerlicher Prozess sein aber am Ende bekomme ich die Ergebnisse, die ich mir gedacht habe!

6) Wie sieht ein "normaler" Schreiballtag aus?

Was mir manchmal zu denken ist, ist die kurze Zeit, die ich eigentlich dem Schreiben widme.
Einen Großteil der Zeit nehmen E-Mails und Lesungen ein. Ein idealer Schreibtag ist für mich von 9 Uhr morgens bis 18 Uhr. Zuerst diktiere ich erste Auszüge (wegen RSI - Repetitive Strain Injury Syndrom, "Mausarm" - Schmerzhafte Störungen in Unterarmen und Händen, Anmerkung S.T.) und im Verlauf des Tages baue ich die Erzählung Stück für Stück auf. Es ist wie das Aufwärmen eines Motors (außer, dass es länger dauert!). Je näher das Ende des Tages kommt, umso effektiver arbeite ich, wohlmöglich gelockt durch den Pawlowschen Reflex nach einem Glas Wein nach dem Schreiben. An einem sehr guten Tag schreibe/diktiere ich 3-4.000 Wörter, meistens um die 1.000.

7) Was ist der wichtigste Aspekt an einem Krimi?

Grundvoraussetzung ist ein Verbrechen. Die Leser müssen an der Handlung und den Seiten kleben. In anderen Worten: Ein Krimi darf nicht langweilig sein, wie viele Romane. Unsere Leser würden es uns nicht verzeihen.

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    Die Fragen stellten Birgit Erwin & Sven Trautwein
    Aus dem Englischen von Sven Trautwein

    Foto (c) Caroline Taylor


  • Letztes Update: 25-11-2004 07:11

    Veröffentlicht in : Autoren Info, Interviews
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