Südafrika im 18. Jahrhundert: Auf einem Sklavenschiff sieht der hitzköpfige Jim Courtney die Liebe seines Lebens, doch die erfolgreiche Rettungsaktion bringt nicht nur ihn sondern auch seine Familie in arge Bedrängnis. Während Jim und seine Louisa sich in den afrikanischen Busch schlagen, sehen sich auch seine Eltern gezwungen, ihre Zelte abzubrechen. Ein langer Weg voller Gefahren führt sie geradewegs in die Arme eines alten, unversöhnlichen Feindes.
Die Courtneys sind eine wahre Bilderbuchfamilie. Familienvorstand Tom und seine patente Frau Sarah haben eine blühende Existenz am holländisch dominierten Cap der Guten Hoffnung in Südafrika aufgebaut. Ihnen zur Seite stehen Toms Bruder Dorian, seit seiner Zeit in der Sklaverei Adoptivsohn des Kalifen von Kadam, und sein Sohn Jim. Dessen leidenschaftliche Liebe zu der Strafgefangenen Louisa bereitet der Idylle ein jähes Ende. Als Jim den ehrgeizigen Oberst Kayser während der Rettungsaktion demütigt, muss auch der Rest der Courtney-Familie ihr lukratives Unternehmen aufgeben und fliehen. Über die legendäre „Räuberstraße“ flüchten sie ins Landesinnere in der Hoffnung, Jim und Louisa dort wiederzutreffen.
Während Jim ins Elfenbeingeschäft einsteigt, werden die Brüder Tom und Dorian unversehens mit der Vergangenheit konfrontiert. Dorry erfährt, dass sein Adoptivvater, der Kalif, einem Mordanschlag zum Opfer gefallen ist und dass er einen Anspruch auf den Elefantenthron hat. Doch zwischen ihm und der Macht steht nicht nur ein Versprechen, das er seiner Frau gegeben hat, sondern auch sein noch Adoptivbruder Zayn. Und auch auf Tom wartet ein tödlicher Bruderzwist.
Liebe, Hass und Loyalitäten und das auf gleich zwei Generationen - damit kann man schon 700 Seiten füllen. Reichlich spannungsgeladene Verwicklungen, ein reichhaltiges Personenregister und die exotische Kulisse des afrikanischen Kontinents, das sind die Stärken von Wilbur Smiths Romans. Leider krankt die Personenzeichnung an der einer übertriebenen Schwarz-Weiß-Malerei, die wenige Klischees auslässt. So ist Louisa natürlich nicht nur unschuldig und verlor ihre Eltern während der Pest, sie wurde auch von ihrem Arbeitgeber missbraucht. Und ebenso wie die Guten von durchweg anständig und gut sind, so zeichnen sich die Bösen durch ausnahmslose rabenschwarze Verworfenheit und Sadismus aus.
Ein weiteres Manko von Wüstenkönig ist der nicht immer ausbalancierte Aufbau. Bis Jim und seine Eltern wieder vereint werden, ist wird nicht deutlich, wer eigentlich Hauptperson des Romans sein soll. Während zunächst die Liebesgeschichte Jim und Louisa im Mittelpunkt zu stehen scheint, versinken diese im zweiten Teil des Romans in beinahe vollkommene Vergessenheit, während nacheinander Dorian und Tom ihren Dämonen der Vergangenheit begegnen müssen. Natürlich ist es bei der angestrebten reichhaltigen Fülle von Handlungselementen schwierig, den Überblick zu behalten, doch als Leser stellt man sich schon die Frage, ob hier nicht der alte Spruch „weniger ist mehr“ zugetroffen hätte.
Fazit: Farbenprächtiges Abenteuerspektakel mit Schwächen in Inhalt und Komposition
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Wilbur
Smith Wüstenkönig Aus dem Englischen von Bernd
Seligmann Fischer Taschenbuch Verlag 703 Seiten, EUR 8,90 ISBN
3-596-16322-6