Julia Durant und der deutsche Spannungsbogen - Interview mit Andreas Franz
Seit 10 Jahren sind die Krimis um Komissarin Julia Durant von Andreas Franz aus der deutschsprachigen Szene nicht mehr wegzudenken. Die erste Auflage des letzten Buches war innerhalb von 2 Wochen ausverkauft. Grund genug, in einem kurzen Interview den Schreiballtag des Autors zu beleuchten.
Anmerkung von Andreas Franz: Die Beantwortung der Fragen ist übrigens in der alten Rechtschreibung verfaßt und bitte dies auch so zu übernehmen! (Die Reformer nämlich, allen voran Doris Ahnen, können mich alle mal so richtig liebhaben :-)
Was reizt Sie am Krimi-Genre?
Weil es keine andere Gattung innerhalb der Belletristik gibt, bei der man so tief in menschliche Abgründe blicken und auch steigen kann. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die einen sonst friedfertigen Menschen zum Mörder werden lassen, aber es sind auch die größeren Motive wie Habgier, Neid, Eifersucht etc., und nicht zu vergessen die organisierte Kriminalität, die immer noch viel zu wenig in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Dabei ist es gerade das organisierte Verbrechen mit seinen unglaublich verwobenen und undurchschaubaren Strukturen, das längst und von den meisten unbemerkt in alle Bereiche vorgedrungen ist - Politik, Wirtschaft, Kultur, Medien etc. pp. …
Und genau darüber werde ich auch wieder schreiben.
Und natürlich werden es auch immer wieder Themen wie Kindermißbrauch und -mord sein, die ich behandeln werde.
Für viele Kritiker gelten Krimis nicht als Literatur - was kann man denen entgegenhalten?
Tja, das ist das Problem mit den Kritikern wie z.B. Elke Heidenreich (sie steht nur stellvertretend für einige andere). Man sollte diese Leute einmal fragen, wie sie Literatur denn überhaupt definieren, denn eigentlich leitet es sich doch von dem lateinischen littera = Buchstabe, Schrift, schriftliche Aufzeichnung, Schriftstück etc. ab. Aber für mich hat es den Eindruck, als würden bestimmte Kritiker es mit der Etymologie nicht so ernst nehmen und Literatur auf Texte reduzieren, die so unglaublich kompliziert geschrieben sind, daß einem die Lust am Lesen schon nach den ersten fünf oder zehn Seiten vergällt wird.
Wenn ja, dann ist der Krimi natürlich keine Literatur, aber dann müßte man auch die Gebrüder Grimm streichen, Wilhelm Busch und alle Autoren, die an der Bibel mitgeschrieben haben - und natürlich und vielleicht allen voran Elke Heidenreich, die so gerne mit ihrem - wie heißt er noch mal? … Sei´s drum, wenn Krimis keine Literatur sind, was dann?! Kein Genre wird so häufig und gern gelesen, und wenn irgendein selbsternannter Kritikaster daherkommt und behauptet, Krimiautoren seien nichts anderes als verkappte oder reale Psychopathen, der hat noch nie versucht, einen Krimi zu schreiben, denn ein solches Buch erfordert zum einen unglaublich viel Recherche und eine große Portion psychologisches Einfühlungsvermögen - womit ich mich beileibe nicht als Psychologe hinstellen will, doch durch persönliche Erfahrungen, die u.a. auf meiner Homepage nachzulesen sind und meine langjährige Tätigkeit als Graphologe und damit verbundene unzählige Beratungsgespräche sowie exzellente Kontakte zu diversen Polizeistellen möchte ich doch behaupten, mich in die Psyche einiger anderer Personen hineinversetzen zu können.
Außerdem, Thomas Mann, Hemingway, Faulkner, um nur einige wenige zu nennen, haben in viele ihrer Geschichten Kriminalhandlungen eingebaut. Ergo, die Kritiker sollen gefälligst die Klappe halten oder es besser machen als all die von ihnen so verschmähten Krimiautoren! Ach ja, zur Heidenreich fällt mir doch noch was ein - ihr Kater heißt doch Don Nero Corleone, mafioser geht´s doch kaum noch :-)
Woran arbeiten Sie gerade?
Zur Zeit liege ich in den Endzügen von "Teuflische Versprechen", einem Buch über Menschenhandel und organisierte Kriminalität. Danach kommt ein weiterer Krimi um Peter Brandt und Elvira Klein, dann ist Julia Durant wieder an der Reihe.
Wie sieht ein "normaler" Schreiballtag aus?
Gibt es einen normalen Schreiballtag??? Es kann sein, daß ich mir nur Notizen mache, oder mich gedanklich sammle, einen Spaziergang unternehme … Doch wenn ich schreibe, setze ich mich in der Regel abends so gegen zehn an meinen PC, um ein oder zwei neue Kapitel zu verfassen, so zwischen zehn und zwanzig Seiten. Am nächsten Morgen gehe ich das Geschriebene noch einmal durch, finde natürlich einiges, das zu ändern ist, und mache am Abend weiter.
Welche Chancen haben neue Autoren?
Ich will ja kein Spielverderber sein oder Illusionen zerstören, doch gerade heutzutage ist es ungemein schwierig, mit einem unverlangt eingesandten Manuskript bei einem Verlag unterzukommen. Ich selbst habe zehn Jahre lang einen Roman nach dem andern verfaßt, diese an wirklich jeden deutschsprachigen Verlag gesandt und bin mit immer den gleichen Standardfloskeln abgefertigt worden - "nach eingehender Prüfung Ihres Manuskripts müssen wir Ihnen leider mitteilen …" Es gab sicherlich Zeiten, wo ich darüber nachgedacht habe, mit dem Schreiben aufzuhören, aber ich konnte nicht. Und ich denke, daß es dieser Durchhaltewille war, der mich schließlich zu Droemer Knaur geführt hat.
Gelingt es nur noch mit einem Literaturagenten oder ohne? Muß man einen Namen haben?
Es kann sein, vorausgesetzt, man hat ein einigermaßen anständiges Manuskript vorzuweisen, daß die Chance, bei einem Verlag unterzukommen, etwas höher ist, wenn man einen Agenten hat. Aber eine Garantie ist das nicht. Tatsache ist, daß heute mehr denn je der Name zählt. Ein Bohlen, eine Feldbusch, eine Abdel Farrag (hab ich das richtig geschrieben???), eine Uschi Glas oder gar ein Küblböck garantieren z. T. extrem hohe Auflagenzahlen (von einem Helmut Kohl ganz zu schweigen), auch wenn der Inhalt der Bücher selbst meist sogar für den Altpapiercontainer eine Beleidigung ist. Jeder Promi oder als solcher bezeichneter "darf" ein Buch schreiben (natürlich lassen, weil kaum einer von denen der deutschen Sprache wirklich mächtig ist) und wird auch einen Verlag finden, das ist traurig aber wahr. Dafür bleiben viele große Talente auf der Strecke. Oder glauben Sie, daß eine Susanne Fröhlich einen solchen Erfolg mit ihren Büchern hätte, wäre sie nicht seit Jahren eine Institution beim Hessischen Rundfunk?!
Außerdem kostet ein Agent nicht gerade wenig Geld!
3-5 Lesetips für unsere Leser
Alle meine Bücher :-), na ja, zugegeben, es gibt da sicher auch noch das eine oder andere ganz ordentlich geschriebene Buch :-) Im Ernst, mein absolutes Lieblingsbuch ist Das Parfüm von Patrick Süskind, für mich auch nach beinahe zwanzig Jahren immer noch ein Geniestreich, vom Plot über die Schreibe und die Wortwahl, wo er Gerüche, Empfindungen, Gefühle, erleb-, erriech-, empfind- und fühlbar' werden läßt. Direkt danach folgt Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafon sowie diverse Werke anderer Autoren wie Jack Finney´s Romane und zahllose Sachbücher , und man mag es glauben oder nicht, Die Bibel und, und, und …
Ich bin eben nicht das einzige Genie auf diesem Planeten!!!!!!!!!!! : : :