"Heute, 20 Jahre später, wer erinnert sich noch an den 16. Juni?" fragte sich James Joyce bereits 1924 und schrieb die Frage in sein Tagebuch. Der 16. Juni 1904 - der Tag seitdem die Zeit in Dublin stillsteht. Nicht im wörtlichen Sinne, denn Dublin hat sich zu einer sehenswerten und interessanten Kulturstadt entwickelt. Nein, eher im übertragenen Sinne.
Fiktiv und doch real
Zum einen gedenkt man an diesem Tag dem großen irischen Schriftsteller James Joyce, sowie den fiktiven Ereignissen, die seinem Roman "Ulysses" (erschienen 1922) entspringen, dessen Handlung an einem Tag, nämlich dem 16. Juni 1904 in Dublin spielt. An diesem Tag unternehmen Stephen Daedalus und Leopold Bloom ihre abenteuerliche Reise durch Joyce berühmtestes Werk. In 18 Kapiteln schildert er auf vordergründige Weise die Abläufe dieses einen Tages im Leben des Anzeigenmaklers Leopold Bloom, seiner jungen Frau Molly und des Schriftstellers Stephen Daedalus. Durch zahlreiche Anspielungen und einer subtilen Zitattechnik gelingt es Joyce die räumlichen und zeitlichen Grenzen des Romans zu überwinden. Die Erzähltechniken wechseln von Kapitel zu Kapitel und gipfeln in dem berühmten "inneren Monolog" Mollys im letzten Kapitel.
Der 16. Juni ist nicht irgendein Tag für Joyce. Nora heißt seine erste große Liebe, die er an genau diesem Abend vor 100 Jahren trifft. Sie schreiben sich Briefe und sie bringt Anekdoten und Geschichten ein, die er in seine Werke einfließen lässt. Sie machte ihn zum "richtigen Mann" wie er in seinem Tagebuch vermerkt. Mit Nora möchte er Irland verlassen, doch seine finanzielle Lage ist alles andere als rosig. Pumpversuche bei Freunden und Bekannten schlagen fehl. Schließlich gelingt es. Die Arbeiten an "Ulysses" sind kräftezährend, doch seine Zuflucht in Zürich scheint ihn gleichsam zu beflügeln.
Alles dreht sich in Dublin um Joyce und seinen Roman, der zur Weltliteratur zählt. Doch die Anzahl derer, die das Buch komplett gelesen haben, scheint nicht allzu groß. Durch die vielfältigen Veranstaltungen im In- und Ausland sowie zahlreiche Neuerscheinungen gibt es eine Möglichkeit einen neuen Zugang zu Joyce und seinem Hauptwerk zu finden.
Gerade volljährig, verlässt Joyce seine Heimat und kehrt Dublin den Rücken. Mittlerweile haben die Iren ihm verziehen und lassen das Jahr 1904 wieder auferstehen. Obwohl der Bloomsday nur einen Tag verkörpert, sind Feierlichkeiten, Sonderaufführungen und vieles mehr das ganze Jahr, genau 100 Jahre später, in Irland geplant.
Weiterführende Links:
Internetseite zum Bloomsday: http://www.bloomsday100.org
Rejoyce Dublin 2004 unter http://www.rejoycedublin2004.com/german/default.asp
Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum http://www.kultur.at/bloom/index.htm
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