Der Schriftsteller Wolfgang Hilbig wird am kommenden Freitag 60 Jahre alt. Zu den bekanntesten Werken des Lyrikers und Prosaautors gehört der 1993 erschienene Roman Ich, in dem ein Lyriker unter einem Decknamen als Spitzel für den DDR- Staatssicherheitsdienst arbeitet. Von der Kritik wurde der Roman als sprachmächtiger "Gesellschaftsroman über die Endzeit der DDR" gewürdigt und mit wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnet. Spätere Arbeiten von Hilbig wurden auch als "eine Studie zur Krankengeschichte der DDR" gelesen.
Der am 31. August 1941 im sächsischen Meuselwitz geborene Hilbig wuchs in der Bergarbeiterfamilie des Großvaters auf und übte verschiedene handwerkliche Berufe vom Werkzeugmacher bis zum Tiefbauarbeiter aus, versuchte sich aber nebenbei als Schriftsteller und nahm an Lyrikseminaren für die DDR-Arbeiterfestspiele teil. Er galt aber als Außenseiter der DDR-Kulturszene und blieb daher lange Zeit ungedruckt. Als im Westen 1979 der Lyrikband Abwesenheit. Gedichte mit 66 Gedichten aus den Jahren 1966 bis 1977 erschien, kam Hilbig in der DDR einige Wochen in Untersuchungshaft und wurde schließlich zu einer Geldstrafe wegen angeblichen Devisenvergehens verurteilt.
1980 setzte sich Franz Fühmann für Hilbig ein, und die renommierte DDR-Zeitschrift "Sinn und Form" veröffentlichte eine kleine Auswahl aus seinen Werken. Ende 1983 erschienen Lyrik und Prosa von Hilbig bei Reclam in Leipzig. Seine Arbeiten, die oftmals die proletarischen Erfahrungen in der DDR reflektieren und gleichzeitig das "Abenteuer der Seele" suchen, wurden von der Fachkritik vor allem in Westdeutschland immer mehr beachtet.
1985 verließ er mit einem befristeten Visum die DDR. Mit viel Beifall wurde 1989 sein Romandebüt "Eine Übertragung" aufgenommen, in dem er seine Erfahrungen der "Arbeiter-Schriftsteller- Doppelexistenz" verarbeitete. Im letzten Jahr erschien sein Roman Das Provisorium.
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