Haben Sie jemals in einen Doppelspiegel geschaut? In diesem sieht man sich selbst, wie andere Menschen einen sehen, nicht aber das normale, gwohnte Spiegelbild. Die Erfahrung ist überraschend, wenn man sie nicht erwartet, und es dauert einen Moment, bis man versteht, was man sieht. Erst dann kann man den Doppelspiegel schätzen. Eine Geschichte von Banana Yoshimoto zu lesen gibt einem ein ganz ähnliches Gefühl.
Wie kaum eine andere Autorin zeichnet sich Banana Yoshimoto dadurch aus, daß sie keinen Anspruch auf etwas erhebt. Sie schreibt postmodern, ohne sich in die Postmoderne hineinzusteigern; erzählt Geschichten, die ohne Tricks auskommen; und zeigt uns die Welt doppelt spiegelverkehrt.
Die Geschichten zeichnen ein Bild der Figuren und ihrer Umgebung, das dem Leser beide nahe bringt, aber immer noch objektive Betrachtung ermöglicht. Die Sprache ist klar und geschickt gewählt, die Charaktere haben ihre eigenen Stimmen, sanfte Seidigkeit, Kühle an einem Sommertag, oder beruhigend leise.
Was man hier ganz sicher nicht findet: ein Gefühl der Bekanntheit, des Banalen, des schon-mal-dagewesen-Seins.
Sechs Geschichten, alle neu und erfrischend: sinnlich, offen, nahegehend.