Als ich das erste Mal dieses kleinformatige Buch in der Hand hielt, war ich vielleicht acht oder neun Jahre alt. Das muss dann so 1965 oder 1966 gewesen sein. Was für eine Jahreszahl für Kinder, die heute acht oder neun sind! Wäre ich heute Kind, wäre das für mich so weit weg wie das Mittelalter.
Und doch lebte Pippi damals bereits an die zwanzig Jahre. Sie wird immer leben. Sie ist unsterblich. Was hast du dir dabei gedacht, liebe Astrid? Du hast uns Schriftstellern etwas hinterlassen, vor dem wir uns einfach nur verneigen können. Die Leichtigkeit des Erzählens, des Hütens von Kinderseelen und der Zauber, auch die Erwachsenen wieder das Lächeln zu lehren, macht uns sprachlos.
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Deine Pippi, dein Michel und all die anderen sind wie Inseln im Geist von uns allen. Inseln, auf die wir uns zurückziehen, um das Ernste, Böse, Langweilige und Traurige mit einem Lachen abzuschütteln. Den Mut, anders zu sein, fröhlich aufzubegehren, den Regeln zu trotzen und gegen den Strom zu schwimmen, all dies hast du den kleinen und großen Menschen mit spielerischer Leichtigkeit nahe gebracht.
Ich habe deine Bücher Salzstangen knabbernd und Gummibärchen futternd verschlungen, und ich habe sie unter der Bettdecke gelesen, wenn Mutter längst schon „Jetzt ist aber Schluss!“ gerufen hatte. Heute bekommen wir elektronisch perfekt visualisierte Umsetzungen literarischen Durchschnitts, von angepassten Autoren und in Zwängen gefangenen Verlagen auf Effekte-Einheitsbrei reduziert.
Von einer Lektorin habe ich kürzlich den Satz gehört: „Ich kann doch nicht nur danach gehen, was Kindern gefällt! Ein Manuskript muss auch dem literarischen Anspruch genügen ...“ Meine Antwort darauf: Ein Buch, das Kindern gefällt, genügt allen literarischen Ansprüchen! Fantasie lässt sich nicht kanalisieren. Sie braucht Freiheit. Genau die Freiheit, die du, liebe Astrid, den Kindern dieser Welt geboten hast.
Ich möchte dir dafür danken. Ich bin jetzt ein vierundvierzig Jahre alter Michel.