Das Türkperium schlägt zurück - oder überhaupt erst mal : Don Osman
Da ist er wieder, der eingedeutschte Türke mit dem etwas überzogenen Blick für den normalen Lebensalltag in Deutschland, vielleicht sogar nur in Bremen, wo der Autor sein Dasein auslebt.
Engin beschreibt allerdings mehr aus Sicht mehrerer Türken, wenngleich er es stilistisch mittels familienbezogener Fiktionsfakten so darstellt, als sei es stets der gleiche. Es scheint, als wolle er die Vorurteile, die teilweise gar keine Vorurteile sind, sondern ganz augenfällige Urteile oder besser gesagt jedermensch’s Wahrnehmungen, in komischer Überzeichnung unterstreichen, bestätigen, ja gar beweisen. Glücklicherweise weist der Autor auf der Buchdeckelrückseite darauf hin, dass es sich bei seinen Erzählungen über die Erfahrungen, Erlebnisse, Gedanken, Sorgen und hin und wider sogar Freuden des Türken Osman und seiner Familie, die irgendwie erfunden und doch echt zu sein scheint, um Satire handelt. Man könnte sonst fast meinen, es sei alles real.
Anzeige Den Komplettdeutschen (deutsch geboren, hier aufgewachsen und nie gastarbeitend in der Türkei verweilt) spiegeln seine spitzen und auch findigen Entdeckungen des typisch-türkisch-tückischen ein gewisse Türktümelei wider. Man entdeckt, dass man so etwas Ähnliches tatsächlich schon erlebt hat – zumindest glaubt man daran – und freut sich irgendwie, dass der Deutsche Michel keinen Deut schlechter ist, als der Türkische Ali. Das nennt sich Integration vierzig Jahre nach dem ersten Türken auf seiner Zündapp.
Die überwiegende Realitätstreue – wie schon angedeutet ist manches wirklich eindeutig phantasierte Prosa - ist vermutlich auch das Witzhemmende. Denn, das muss ich nun doch sagen – tut mir ehrlich Leid, Herr Engin – dieses neue Buch hat mich nicht überzeugt. Zu leichtfertig sind mir die Geschichten, wahrscheinlich zu normal und alltäglich. Es mag zwar lustig sein, wenn die realen Situationen tatsächlich so wären, die verfassten Texte darüber sind es mir aber entschieden zu wenig.