Urs Widmer mit Literaturpreis der Bayerischen Akademie geehrtMünchen (dpa) - Der Schweizer Romancier, Theaterautor und Essayist Urs Widmer ist am Mittwoch in München mit dem mit 15 000 Euro dotierten Großen Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste geehrt worden. Mit der Auszeichnung wird das Gesamtwerk des nach Ansicht der Jury "hochrangigen Stilisten" gewürdigt, der neben Romanen, Erzählungen und Essays auch Hörspiele und Theaterwerke verfasst hat, teilte die Akademie mit.
Mit der mit 5000 Euro verbundenen Wilhelm-Hausenstein-Ehrung für Verdienste um kulturelle Vermittlung wurde der Münchner Literaturkritiker Wolfgang Werth ausgezeichnet. Werth leitet seit mehr als zwei Jahrzehnten das Literaturressort der Süddeutschen Zeitung. Die unverwechselbare Sprachkraft Widmers, zwischen kritischem Zupacken und Clownerie, leisen Zwischentönen, kindlicher Einfachheit und zarter Melancholie präge ein Werk, das einen bedeutenden Platz in der Literatur "unserer entzweiten Welt behauptet", heißt es in der Urkunde.
Der 1938 in Basel geborene Widmer war Verlagslektor bei Walter (Olten) und Suhrkamp (Frankfurt/Main). Er lebt als freier Schriftsteller in Zürich. Widmer gilt als Meister der Ironie und der Doppelbödigkeit, als scharfzüngiger Kritiker mit ironischem Blick auf die Realität. Nach seiner ersten Erzählung Alois (1968) folgten seit den 1970er Jahren zahlreiche Buchveröffentlichungen, darunter der von der Kritik hoch gelobte Roman Der blaue Siphon (1992) und das mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnete Theaterstück Top Dogs (1997). Zuletzt erschien der autobiografisch eingefärbte Roman Der Geliebte der Mutter und Das Buch der Albträume (2000).
Über den Autor:
Geboren am 21.5.1938 in Basel. Eine bildungsbürgerliche Familie und ein recht literarisches Umfeld waren der beste Nährboden für das Talent des Baslers Urs Widmer: Sein Vater war der Gymnasiallehrer, Literaturkritiker und Übersetzer Walter Widmer, der seinem Sohn die »Liebe zu den Wörtern ohne Niveau, den sogenannt unanständigen Wörtern«, weitervererbt hat.
Urs Widmers Deutschlehrer im Realgymnasium war der Schriftsteller Rudolf Graber. Heinrich Böll war gern- und oftgesehener Gast im Hause Widmer. Der Gymnasiast konnte gar nicht anders, als insgeheim sich selbst als Dichter fühlen. An der Universität Basel schrieb er sich für Germanistik, Romanistik und Geschichte ein. Zwei Jahre in Montpellier und in Paris ergänzten sein Studium, eine Doktorarbeit über die deutsche Nachkriegsliteratur rundete es ab. Urs Widmer wurde Lektor beim Walter Verlag in Olten, und als solcher war er die rechte Hand des damals für die Literatur zuständigen Otto F. Walter. 1967 zog Urs Widmer nach Frankfurt am Main, wo er Lektor im Suhrkamp Verlag wurde. Ob ihn wirklich die Enge der Schweiz veranlaßte, in die ›große Welt‹ zu gehen, oder ob der Zufall vor jeder Absicht stand: beide Ansichten vertrat Urs Widmer in Interviews, und beide schließen einander nicht aus. Frankfurt gefiel ihm, er blieb 17 Jahre lang dort, im Suhrkamp Verlag blieb er allerdings nur bis 1968. Mit anderen Lektoren rief er den ›Verlag der Autoren‹ ins Leben. Kurz nach der Gründung wurde er mit seinem Erstling ›Alois‹ selber zum Autor, zu einem, dem es nicht genügt, »wenn Literatur nur den Ist-Zustand schildert. Sie muß auch utopische Qualitäten haben. Man muß daran erinnern, daß die Welt einmal schön war.« Und für die Welt, wie sie uns von Urs Widmer vorgestellt wird, würde wohl nicht nur Michael Krüger »die unsere unbesehen opfern«.
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