Elizabeth George enthüllt, warum England der beste Schauplatz für Ihre Bestseller ist...Die Gerüchte stimmen. Die Frau, die die perfekten Beispiele für den englischen Kriminalroman liefert, hat nie in England gelebt. In Wirklichkeit wuchs sie in San Francisco auf und lebte die letzten 25 Jahre im Süden Kaliforniens.
Sie schließt jedoch nicht aus, dass sie schon einmal in einem früheren Leben in England gelebt. "Es ist nicht so, dass ich ein Deja-vu-Erlebnis habe, wenn ich in England bin, aber ich spüre eine größere Kraft, eine Art Anziehung wenn ich dort bin, besonders in den ländlichen Gebieten." Seit den 60er Jahren bezeichnet sie sich als anglophil, als englische Musik, Kleidung und Filme ihre großen Erfolge in Amerika landeten.1966 reiste sie zum ersten Mal nach Großbritannien und fühlte sich von Beginn an mit dem Land auf eine bestimmte Art und Weise verbunden. 1988 erschien ihr erster Roman A Great Deliverance (dt. "Gott schütze dieses Haus", erste dt. Ausgabe 1989). "England bietet für meine künstlerische Phantasie so viel". Ungefähr eine Woche recherchiert Elizabeth George für die Örtlichkeiten in jedem ihrer Bücher.
Die gesamte Recherche für ein Buch belaufen sich auf rund sieben Wochen, mit regelmäßigen Besuchen in England. Sie meint, dass sie durch diese 'Kurzvisiten' mehr von den englischen Eigenheiten mitbekommt, als wenn sie ständig in dem Land leben würde. Schon ihr erster Roman stellte fünf der am beliebtesten Charaktere der modernen Kriminalliteratur vor, insbesondere Lord Asherton, alias Detective Inspector Thomas Lynley von Scotland Yard und seine Partnerin Sergeant Barbara Havers, die in jeder Beziehung das exakte Gegenteil von Lynley verkörpert. Lynleys Hauptinteresse in Sachen Liebe gilt der hübschen Lady Helen Clyde; sein bester Freund ist der Gerichtsmediziner Simon St. James, für dessen verkrüppeltes Bein Lynley verantwortlich ist. Zu allem Überfluss ist St. James mit Lynley ehemaliger Geliebten, Deborah St. James, verheiratet, was der ganzen Geschichte, gerade in den ersten Romanen eine gewisse Würze verleiht. Gerade die liebevoll ausgestaltenen Figuren machen die Romane von Elizabeth Goerge so lesenswert.
"Die Charaktere entstammen alle meiner Vorstellung und Phantasie, und jede besitzt eine Qualität, die auch ich selbst besitze. Ich bin so gebildet wie St. James gebildet ist; ich bin so ironisch und häufig so leger wie Barbara Havers. Ich bin etwas zurückhaltend und melancholisch wie Deborah und ich glaube, dass ich Lynley Tendenz zu Gefühlen habe. Jedoch habe ich sie besser unter Kontrolle." Die Ideen für ihre Hauptfiguren, die sie nicht selber hat, liefern ihr manches Mal die Bücher von Agatha Christie.
"Sie schrieb handlungsorientierte Bücher; ihre Figuren sind häufig weder eingänglich noch wichtig. Was ich jedoch von ihr lernte war das Setzen von kleinen Hinweisen und falschen Fährten (engl. red herring). Sie trieb es sicherlich zu einer außergewöhnlichen Perfektion." Elizabeth George größter Erfolg war ihr siebter Roman In the Presence of the Enemy (dt. "Im Angesicht des Feindes") und für sie selber ist es ein Rätsel, warum er so erfolgreich war. Die englische Ausgabe war ihr erster Hardcover-Erfolg, der für mehr als 8 Wochen die Hitlisten anführte.
"Er war einfach zu schreiben", sagt sie mit einem Lächeln, "ich hatte nur ganze zwei schlechte Tage. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich mit dem Buch nicht fertig werden würde oder das die Handlung zu komplex sei. Ich wußte, dass die Geschichte auf einem festen Fundament stand, aber dass sie die Leute so begeistern würde, hatte ich nicht zu hoffen gewagt." Ihre Bücher handeln natürlich auch vom Tod, aber darum geht es ihr in den Bücher nicht. "Die grausamen Einzelheiten des Mordens und Tötens interessieren mich vordergründig gar nicht. Mich interessieren viel mehr die psychologischen Verstrickungen." Vielleicht werden wir bald einen verfilmten Kriminalroman von Elizabeth George in Deutschland zu sehen bekommen. Die BBC hat die Rechte an der Ausstrahlung erworben. Der Film unter dem Titel "The Inspector Lynley Myteries" lässt auf eine Fortsetzung schließen und hoffen. Der 1. Teil lief im März 2002 im englischen Fernsehen.