Einmal war Aquitanien ein blühendes Land, doch mit der Einkerkerung der Königin Eleonore sind die Zeiten der Dichter und Minnesänger vorbei. Wer die Zeichen der Zeit erkannt hat, ist ausgewandert. Raymond ist geblieben. Seine verzweifelte Suche nach einem Gönner führt ihn zu Bischof von Poitiers, der ihn beauftragt, seinen verschwundenen Sekretär zu suchen. Was er jedoch findet, ist etwas ganz anderes.
Der verarmte Minnesänger und Geschichtenerzähler Raymond hat alles verloren bis auf seine Träume. Während alle Welt um ihn herum erkennt, dass die Zeiten der Tafelrunde vorbei sind, zieht er von Hof zu Hof, um nach den alten Werten zu leben. Leider macht er sich dabei mehr als einmal zum Narren. Nun erhält er von dem Bischof von Poitiers eine letzte Chance, seinen Lebensunterhalt jenseits der Landstraße zu verdienen. Im Gegenzug für den bischöflichen Schutz soll er dessen Sekretär Firmin finden. Doch die Spur führt zu einer Leiche.
Gleichzeitig bittet Ritter Robert von Ambitien den jungen Mann, ein Fest auszurichten, das ihm den Weg in die feine Gesellschaft öffnen soll. Zwischen den beiden Männern entsteht so etwas wie Vertrauen, doch dann verliebt sich Raymond unsterblich in Roberts junge Frau. Erstaunlicherweise reagiert Robert gelassener als man von einem eifersüchtigen Ehemann erwarten sollte.
Ein junger Mann auf der Spur eines verschwundenen Sekretärs, Mord und Mordverdacht, hier scheint sich ein weiterer historischer Kriminalroman zu entwickeln. Doch der erste Eindruck trügt. Der Roman enthält zwar reichlich Merkmale dieses Genres, doch vor allem ist Die Tochter des Bischofs ein pralles Sittengemälde, das sich dem fernen Mittelalter ohne Ehrfurcht oder Sentimentalität nähert. Der tragikomische Held Raymond verkörpert die romantische Sehnsucht nach einer Welt, die es so wohl immer nur in der Literatur gegeben hat und an der er notwendigerweise scheitern muss.
Die Gesellschaft, in der er sich bewegt, ist ganz anders als seine Lieder. Sie ist normal. Die Menschen benutzen eine alltägliche, mitunter recht derbe Sprache, sie essen, lieben und lügen wie der Durchschnittsleser auch. Der gelungene Realismus, mit dem der Autor die Vergangenheit auferstehen lässt, untermalt eine vielschichtige Erzählung, die die verschiedenen Handlungsstränge souverän meistert und miteinander verknüpft. Bis hin zu dem dramatischen Finale entfaltet sich eine spannende Geschichte um Liebe, Verrat und verlorene Träume, aus der keine der Figuren unbeschadet hervorgeht.
Fazit: Vielschichtiger, farbenprächtiger Historienroman mit Krimielementen