Rau weht der Wind im Norden. Rau sind auch die Erzählungen der in Hamburg geborenen und in Lübeck aufgewachsenen Autorin Svenja Leiber in ihrem Werk "Büchsenlicht". Zwei Nachbarn streiten sich um ein Stück Land, welches an beide verkauft wurde, ein Vater schlägt seine Familie und ein Exjunkie, der aushilfsweise arbeitet, versucht sich ins Leben zurück zu schmirgeln.
Eingeleitet wird der Kanon der Geschichten vom tristen Lande durch die meisterhafte Erzählung "Eckeneckepen", für die Svenja Leiber 2003 den "Literaturpreis Prenzlauer Berg" erhielt. Dieser brillanten Eröffnung folgen 12 weitere nordisch-kühle Erzählungen, die durch den außergewöhnlichen Erzählstil der Autorin bestechen. Ihr bündiger Humor, die präzise Zeichnung der einzelnen bizarren Mentalitäten und ihre narrativen Spielchen, bei denen schon mal zwei gegensätzliche Ereignisse (Hochzeit und Begräbnis) poetisch miteinander verschmelzen, machen den schneidigen Scharm dieser Erzählungen aus.
"Büchsenlicht" ist jedoch keine pure Unterhaltungsliteratur. Es ist eine Gesellschaftskritik. Statt Landidylle zeigt sich das öde Leben. Leeren Rituale, unkontrollierten Aggressionsausbrüche und nicht enden wollenden Verzweiflung zeichnen das Alltägliche aus. Jugendliche treffen sich außerhalb eines Dorfes an Glascontainern, weil sie in der Gemeinde stören, wegen eines Missverständnisses heiratet Heide Raschpichler den "falschen" Hans und die Putzhilfe Greta versucht dem bäuerlichen Landadel mit Daim und Haribo zu imponieren. Alles ist traurig, trist, quälend und skurril-abartig.
Fazit: Das richtige Buch für Fans des kühlen norddeutschen Humor und Hang zum Pessimismus