Erinnerungen aus lang vergangenen Zeiten : Rory und Ita
Rory und Ita wurden in den 1920iger Jahren in Irland geboren. Beide erlebten die wirtschaftlichen Auswirkungen des zweiten Weltkrieges und die politischen Umwälzungen ihrer Heimat mit. Sie wuchsen in einer Zeit auf, in der nicht nur die politische Lage brenzlich, sondern einfach alles so anders war.
Haustüren mussten nicht verschlossen werden, oft wohnten ganze Familienclans auf engsten Raum in einem Haus zusammen und ein Fahrrad zu besitzen war unumgänglich, denn die teuren Busfahrscheine konnte sich keiner regelmäßig leisten. Schokolade und Tee waren Luxusgüter, die oft auf dem Schwarzmarkt besorgt werden mussten.
In Roddy Doyles Werk "Rory und Ita. Eine irische Geschichte" erinnern sich die Eltern Doyles abwechselnd an Szenen ihrer Lebensgeschichte. Zu Beginn der Erzählungen stehen verblasste Bilder ihrer jüngsten Jugend. Eltern, Verwandtschaft, Musik, Bücher und erste Freundschaften bilden hier die Blickpunkte der Narrration. Schilderungen aus der Ausbildungszeit, erste Rendez-vous und Tanzabende schließen sich unmittelbar an. Auf einem dieser Tanzabende kreuzen sich Rorys und Itas Wege und ihre Liebesgeschichte beginnt.
Nach Heirat, Bezug der ersten eigenen vier Wände und Geburt ihrer Kinder, sowie erste Urlaube im Ausland und Staunen über etliche technische Erneuerungen (Telefon und TV), schildert Ita, wie sie lang verschollene Verwandte aus Amerika wieder aufspürt und endlich Auskunft über die Wesensart ihrer Mutter erhält. Die einzige Erinnerung, die Ita bis dahin an ihre Mutter hatte, waren deren Hände, denn sie starb als Ita noch sehr jung war.
Interessant sind die Ausführungen Rorys aus seinem beruflichen Alltag. Der Leser erfährt viel über Drucktechnik, die alten Druckmaschinen und die schleppende Umstrukturierung des Ausbildungsberufs zum Schriftsetzer. Besonders gelungen sind die Passagen, in denen Rory und Ita unabhängig voneinander über die gleichen Ereignisse berichten. Dort fällt der unterschiedliche Erzählstil beider besonders auf. Während Rory präzise und detailreich, auch oft humorvoll, diese Szenen beschreibt, betont Ita die Gefühle und Impressionen bei diesen Erlebnissen. Zusammen bilden ihre Erinnerungen ein Stück lebendige, individuell erlebte Geschichte, die mit ausdrucksstarken schwarz-weiß-Fotos bebildert ist.
Fazit: wunderbar nostalgische und rührselige Memoirenliteratur
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Roddy
Doyle Rory und Ita Eine irische Geschichte Aus
dem Englischen von Renate
Orth-Guttmann Hanser Verlag, 2005 316 Seiten, EUR 21,
50 ISBN 3-446-20568-3