Es gibt zwei Arten, mit der Vergangenheit umzugehen: Verklärung oder Verdrängung. Die wenigsten schaffen es, sich der Wahrheit zu stellen: Dass der Vater ein Luftikus, die Mutter eigentlich eine Psychopathin war und die Geschwister … Schwamm drüber. David Sedaris taucht ein in den alltäglichen Horror, den man Leben nennt.
Eigentlich sind die Sedaris schon fast Ferienhausbesitzer, die Zimmer sind verteilt, doch dann macht Papa doch einen Rückzieher und am Ende endet die Familie mit einer zweitklassigen Bar im Keller. Wie immer. Dies ist nur eines der Beispiele aus dem Leben des jungen David, dem nicht nur seine schräge Familie sondern auch seine Homosexualität schwer zu schaffen machen. Jahre später hat er es denn geschafft, er lebt mit seinem Freund im Paris. Leider ist die Familie immer noch schräg, und in der Beziehung ist man auch nicht immer auf Rosen gebettet.
Episodenhaft und mit einem Hauch von Bitterkeit plaudert der Erfolgsautor Sedaris aus dem Nähkästchen. Er stellt seinen Lesern seine neurotischen Schwestern und seinen fetten Bruder vor, seinen Freund, der im Kino heult und natürlich seine Heimatstadt Raleigh, in der Spießigkeit Programm ist, von der sich die Familie aber einfach nicht zu lösen vermag. Und natürlich ist Nachtprogramm ein Selbstbekenntnis, denn Sedaris ist kein Held, kein Vorkämpfer für die Schwulenszene. Er ist ein zwanghafter, schüchterner Mensch mit Macken so groß wie Wolkenkratzer. Doch irgendwann hat er Erfolg und wird zum brüchigen Rettungsanker für seine ebenso kaputte Familie.
Sedaris schreibt aus der Distanz. Der 1956 geborene Autor, der zusammen mit seiner Schwester schon mehrere Theaterstücke verfasst hat, hat genug Abstand, um in seine Episoden eine Mischung aus Humor und Zynismus zu legen, die authentisch wirkt. Dennoch ist es schade, dass seine Rückblenden vollkommen unverbunden nebeneinander stehen, so dass der Leser sich das Bild wie einen zerbrochenen Spiegel zusammensetzen muss. Auch ist die Mischung letzten Endes unentschlossen. Sedaris schreibt zwar überzeugend und in seinen besten Momenten auch hervorragend, aber der der rechte Biss fehlt, so dass weder die Abrechung mit den Macken noch der Zauber der Vergangenheit recht zum Tragen kommen.