Ein finnisches Expertenteam erhält von der UNESCO einen brisanten Auftrag, der nichts Geringeres beinhaltet, als Venedig vor dem Versinken zu retten. Doch bald erkennen die Männer aus dem hohen Norden, dass sie nicht nur einer schier unlösbaren Aufgabe sondern vor allem einer vollkommen anderen Mentalität gegenüberstehen, denn während die Finnen arbeiten und die Stadt versinkt, feiern die Venezianer den Karneval.
Unter Führung der patriotischen Kulturrätin Snell übernimmt eine kleine, bunt zusammengewürfelte Truppe aus dem kalten Finnland einen hochbrisanten Auftrag. Sie sollen einen Weg finden, Venedigs langsames Versinken aufzuhalten. Zusammen mit anderen europäischen Delegation reisen sie zu einem großen Treffen der Kulturen, das von der UNESCO ins Leben gerufen wurde. Die Gruppe enthält so unterschiedliche Gestalten wie den enthusiastischen Universitätsdozenten Heikkilä, der zwar kein italienisch, dafür aber fließend Latein spricht, den dekadenten Intellektuellen Saraspää und den mürrischen Ingenieur Marrasjärvi.
Aus der Sicht der beiden letzten wird diese absurde Reise geschildert, die die Finnen bald an die Grenzen ihrer Belastbarkeit treibt. Das Projekt, das bereits in den ersten Tagen in Korruption und Chaos zu versinken droht, geht nicht voran, statt dessen werden die finnischen Gäste in die Feinheiten venezianischer Diplomatie und venezianischer Spirituosen eingeführt. Und gerade, als die Schwierigkeiten überwunden zu sein scheinen, bricht über die Serenissima der Ausnahmezustand herein: Es ist Karneval und zum ersten Mal seit dem 13. Jahrhundert frieren die Kanäle zu.
Der finnische Humorist Artur Paasilinna hat bereits bewiesen, dass aus dem hohen Norden nicht nur Schnee und Selbstmordgedanken fluten sondern auch Romane von so staubtrockenem Witz, dass sogar der britische Humor dagegen plump wirken kann. Hannu Raittila setzt diese Tradition mit Canal Grande auf bravouröse Weise fort. Das Aufeinanderprallen der Kulturen, das aus der Sicht zweier sich teils ergänzender, teils widersprechender Erzählstimmen geschildert wird, nimmt gekonnt nationale Eigenheiten von Italienern und Finnen aufs Korn. Insbesondere der schwadronierende Dozent ist ein Charakter, den man einfach lieben muss.
Doch erst eine dritte Stimme, die der Kulturamtssekretärin Tuuli, deckt im Epilog auf, was die Herren der Schöpfung in ihrer Betriebsblindheit nicht sehen konnten - was wirklich hinter dem Auftrag steckt und wer zum Teufel die beiden charmanten Amerikaner sind, die immer wieder den Weg der finnischen Delegation kreuzen. Doch bis es soweit ist, fließt viel Wasser in die Lagune und inspiriert zu den abstrusesten Heldentaten. Einziger Einwand gegen den Lesefluss ist die Verwirrung, die bisweilen entsteht, da die Erzählstimmen nicht immer klar voneinander abgegrenzt sind, doch mit der Zeit gewöhnt man sich an den unterschiedlichen Tenor der beiden Finnen.
Fazit: Überbordende Lebensfreude und scharfzüngige Satire in einem - unbedingt lesenswert