Geschichten von großen und kleinen Leuten - Geschichten von Menschen, die allesamt dieselben politischen und gesellschaftlichen Umbrüche im Sommer 1989 erleben.
Während heute bei dem ein oder anderen grimmige Gesichtszüge zutage treten, sobald das Thema Ost- West- Problematik auftaucht, waren die Stimmungen im Jahr 1989 klar: DDR-Bürger warteten zu Tausenden in Ungarn darauf, endlich in den Westen ausreisen zu können.
Menschen in Leipzig, Berlin und Dresden gingen auf die Straße; die Staatsmacht sah sich gezwungen, klein beizugeben. Die deutsche Welt geriet ins Wanken. Alle zogen an einem Strang.
15 Jahre nach dem Fall der Mauer beschreibt Thomas Brussig diese gesammelten Geschichten von Menschen, die damals dabeigewesen sind.
Am 11. August 1989 beginnt die Erzählung, der Leser ist sofort mitten im Geschehen. Da ist Lena, die neunzehnjährigen Physiotherapeutin am Karl-Marx-Städter Bezirkskrankenhaus; sie steht am Bahnhof und wartet auf den Zug aus Dresden. Der kommt auch, doch der, den Lena ihren großen Bruder nennt, sitzt nicht drin. Wie viele zu dieser Zeit hat der sich schon auf den Weg nach Österreich gemacht- im Trabi- er will nach Westdeutschland. Später wird Lena mit einem selbstgeschriebenen Song die Hitparaden stürmen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte. Das stimmt aber nicht ganz, denn irgendwie fügen sich all die kleinen Geschichten bei Thomas Brussig zu einer einzigen großen zusammen.
Trotzdem findet man Lena zweifellos als Hauptfigur des Romans; ihr "großen Bruder" dokumentiert die Ereignisse als Fotograf.
Viele unterschiedliche Wirklichkeiten stellt Brussig dar- gesehen durch die Augen seiner vielen "kleinen" Protagonisten.
Da ist der junge Pole Waldemar, der sich in seinem ersten Roman der deutschen Sprache wie eines ungewöhnlichen Werkzeugs bedient und der kleine Dichter, dem mit der DDR seine Reibungsfläche abhanden kommt. Und da ist Leo Lattke zu, der Star-Reporter eines westdeutschen Nachrichtenmagazins, der später zu Lenas Liebhaber wird.
Man kennt Thomas Brussig bereits von Helden wie wir, Wasserfarbe und Am kürzeren Ende der Sonnenallee. Allesamt waren es recht kurze Erzählungen. Mit Wie es leuchtet stellt sich Brussig auch als Autor großer Romane mit einer gewaltigen Stoffmenge vor. Auf den über 600 Seiten büßt er aber nichts jener großartigen, beflügelten Schriebkunst ein. Im Gegenteil.
Selten trifft man auf einen Schreibstil, der Lebensgefühl, Farben, Gefühle und Bilder so treffend und eindringlich wiedergibt. Unbedingt empfehlenswert.