Italien während des zweiten Weltkriegs. Peggy und ihre kleine Schwester Baby sind Waisen und leben bei ihrer Tante, ihrem Onkel und deren beiden Töchtern in einem großen, vornehmen Landgut in der Toskana.
Der Krieg ist weit weg von der abgelegenen Gegend bei Florenz. Der Onkel ist reich, und zahlreiche Dienstboten sorgen für ein angenehmes Leben. Peggy, ein lebhaftes Mädchen, leidet jedoch an der Strenge des Onkels. Wie schwer ihr es fällt, sich den Gepflogenheiten des vornehmen Haushalts anzupassen, lässt sich an den Einträgen in ihrem Strafarbeitenheft ablesen: "Man spricht nicht mit vollem Mund.", "Man lebt nicht auf Bäumen.", "Man spielt nicht mit Bauernkindern." "Man freundet sich nicht mit Dienstboten an."
Gerade weil sie die beiden letzten Regeln übertritt, erlebt Peggy mit ihrer kleinen Schwester Momente unschuldigen Kindheitsglücks. Mit den Dorfkindern taucht sie in eine Phantasiewelt und kann im Spiel ihre größte Sorge verarbeiten, die auf ihr lastet: die Sorge um den Onkel. Denn obwohl dieser so streng ist und sich ihr gegenüber so abweisend zeigt, liebt sie ihn über alles. Das Seelenheil des Onkels ist aber bedroht, wie sie vom Pfarrer weiß. Er muss vor dem ewigen Fegefeuer gerettet werden, denn der Onkel ist Jude und "das bedeute, dass er nicht an Gott glaubt." Und wer "nicht an Gott glaubt, ist dem Satan ausgeliefert." Immerhin weiß der Pfarrer, dass der Onkel durch Kasteiungen der Hölle entgehen kann und so laufen Peggy und ihre Schwester barfuss durch Distelfelder, um den Onkel durch ihre zerkratzten Beine zu retten.
Die Sorge um das Seelenheil des Onkels im Jenseits ist der Vorbote der konkreten Gefahr, die der Familie droht, als sich die auf dem Rückzug befindlichen Deutschen in der Villa des Onkels einnisten. Die Kinder spüren instinktiv, dass die Bedrohung für den Onkel und seine Familie zunimmt und ihre dunklen Schatten auf das Landgut wirft. Hilflos müssen die Kinder miterleben, wie die Gefahr sich schließlich wie eine dunkle Wolke über das Landgut legt und es verschlingt.
Mazzetti lässt uns die Gefahr des Faschismus aus der Sicht eines kleinen Mädchens erleben. Mit den einfachen Worten eines Kindes schildert sie Peggys Leben zwischen Schule, Spielkameraden und Familie. Peggy spürt die Judenfeindlichkeit in Kirche und Gesellschaft und leidet an ihr. Der Leser fühlt im Laufe des Romans mit Peggy die wachsende Gefahr und ihre Hilflosigkeit. Ein ergreifendes Buch.
Sie können das Buch bequem
online bei unseren Buchhandelspartnern bestellen:
Diese Rezensionen könnten Ihnen
auch gefallen
Lorenza
Mazetti Der Himmel fällt (Originaltitel: Il cielo cade)
Aus dem Italienischen von Viktoria von Schirach Roman btb München 189
Seiten, EUR 8,00 ISBN 3-442-72698-0