Eigentlich wollte der freche Novize Aelvin nur das seltsame Mädchen ausspionieren, das alleine mit ihrem Vater im Wald wohnt, doch unversehens sieht er sich in eine Geschichte verwickelt, die nichts Geringeres zum Gegenstand hat als die Rettung der Menschheit. Das jedenfalls behauptet der sture alte Magister Albertus, der plötzlich mit einer Novizin und einer seltsamen Pflanze vor den Toren des Klosters steht. Aber Albertus ist der letzte Mensch, dem Aelvin helfen möchte.
Der Waisenjunge Aelvin ist schon einmal aus einem Kloster geworfen worden. Schuld war der Magister Albertus, der den rebellischen Jungen für untragbar für die strenge Ordensdisziplin hielt. Nur seinem Talent als Illustrator und Kopist hat Aelvin es zu verdanken, dass er im Dominikanerkloster bei Köln Aufnahme findet. So ist Aelvin alles andere als begeistert, als Albertus plötzlich wieder in seinem Leben auftaucht, und zwar in Begleitung der jungen Novizin Favola, die den größten Schatz der Menschheit mit sich trägt: Die Lumina, die letzte Pflanze aus dem Garten Eden. Die will Albertus nun zu ihrem Bestimmungsort im Herzen der Wüste zurückbringen und der Menschheit so die Hoffnung wiedergeben. Schön und gut, aber er besteht darauf, dass Aelvin ihn begleitet.
Zur gleichen Zeit, am anderen Ende der Welt, heiratet die schöne Mongolenprinzessin Sinaida den Erzfeind ihres Volkes, Shur Khan, den Alten vom Berge. Eine große Liebe nimmt ihren Anfang, doch Verrat und Feindschaft machen ihr jäh ein Ende. Sinaida kennt nur noch ein Ziel: Rache. Sie ahnt nicht, dass der Mörder ihrer Liebe auch ganz oben auf der Abschussliste eines christlichen Ritters steht, der sich Albertus anschließt, um im Heiligen Land seine Dämonen zum Schweigen zu bringen. Als ihre Wege sich kreuzen, müssen sie Entscheidungen treffen, von denen das Wohl der Menschheit abhängen kann.
Kai Meyer hat sich längst einen Namen als Kinder- und Jugendbuchautor gemacht. Mit Bestsellern wie die Wasserweber oder seine Trilogie um die Fließende Königin hat er junge und alte Leser gleichermaßen begeistert. Das Buch Eden ist zwar nicht Meyers erster Vorstoß in die Gefilde des Erwachsenenromans, aber jetzt legt er seinen ersten epischen Historienroman vor. Herausgekommen ist ein personenreiches 800 Seiten starkes Epos, das Ritterroman, Liebesdrama und Adolenszenzgeschichte mischt und mit glaubwürdig recherchierten historischen Details würzt.
Allerdings kann der Autor seine Ursprünge nicht ganz verbergen, denn neben dem Drama um den Garten Eden und dem prall geschilderten Hintergrund, geht es doch vor allem um den heranwachsenden Aelvin, der sich nach einer mönchischen Ausbildung auf einmal zwischen zwei reizenden Mädchen, der Novizin Favola und dem Heidenkind Libuse, wieder findet und schmerzhaft zum Erwachsenen reifen muss. Und so ist auch Das Buch Eden wieder ein Garant für Spannung und sympathische Charaktere. Auch den Umfang und die Vielzahl von Handlungssträngen verknüpft Meyer zu einem souveränen Spannungsgeflecht ohne lose Enden.
Fazit: Kai Meyer für Erwachsene - für alle Historienfans ein Muss