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Neue arabische Lyrik PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Karin Tralmer, am 11-01-2005 08:00
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Suleman Taufiq - Neue arabische Lyrik - Weiterlesen!Neue arabische Lyrik

Menschenmassen, die in ein Fußballstadium drängen, um ein Rockkonzert zu besuchen. In westlich geprägten Ländern ein fast schon alltägliches Szenario. Die Vorstellung, dass diesen Ansturm in arabischen Ländern auch ein Dichter mit seinem poetischen Vortrag hervorzurufen vermag, fällt da schon etwas schwerer. Im arabischen Kulturkreis wird der Lyrik auch in modernen Zeiten eine große Bedeutung zugemessen, so der Herausgeber Suleman Taufiq in seinem Nachwort. Die Dichtung ist sehr stark emotional belastet, soll die Zuhörer im festlichen Rahmen je nach Anlass in eine freudige, euphorische oder traurige Stimmung versetzen. Mit einer klassischen "Dichterlesung" im Kreise einer Hand voll ernsthafter Germanisten in unseren Landen haben diese Veranstaltungen wohl weniger gemein. Weit entfernt vom puren Vorlesen sorgen die kunstvolle Rezitation der Gedichte, das Spiel mit den Worten und die musikalische Untermalung dafür, dass Begeisterung und Gefühle aufwallen.

Kein Wunder, dass auch die Dichter selbst sehr viel Herzblut in ihre Werke investieren. Wie die Kurzbiographien der 47 ausgewählten Autoren zeigen, werden von diesen oft tragische Lebensläufe in Kauf genommen, die von Zensur, Verfolgung und Exil erzählen. Die Dramatik ihrer Lebensumstände bildet den Nährboden für die Gedichte der Lyriker aus kriegs- und krisengebeutelten Ländern wie Syrien, Libanon oder Irak, um nur einige zu nennen. Der Tod, die Gewalt, die Unterdrückung sowie deren Folgen wie die Zerstörung der Heimat und der persönlichen Bindungen nehmen im vorliegenden Gedichtband einen großen Raum ein. Über einigen Zeilen hängt die Verzweiflung wie eine dunkle Wolke und nur mancher lässt auch mitunter einen Hoffnungsschimmer aufkeimen. Doch was wäre die Poesie ohne die Liebe? Leidenschaftlich und teilweise fast schon schwülstig findet sie ihren Ausdruck: Kostbar wird die Nähe zu dem geliebten Menschen, wenn die Gefahr des Verlustes in den Wirren eines gewalttätigen Regimes eine ständige Bedrohung darstellt. Die weibliche Feder ist im vorliegenden Band mit 7 Dichterinnen nur schwach vertreten. Laut Taufiq spiegelt dies jedoch auch die derzeitigen Verhältnisse in der arabischen Lyrikszene wider. Denn nur langsam befreien sich die Frauen von den Restriktionen, die sie in der von Religion und Tradition geprägten Männerwelt bei ihrem Tun erfahren. Den folgenden Ausschnitt aus einem Gedicht der Journalistin Amal Djarah empfand ich dabei als sehr passend: "Eine Frau aus dem Orient bin ich. Hinter dem Haus meines Vaters tausendundein Riegel."

Die biographischen Notizen der Dichter ermöglichen es dem Leser erst, sich auf die Persönlichkeit hinter den Zeilen einzustellen, was für mich unentbehrlich war. Denn nicht immer liest es sich einfach und ein Großteil der Gedichte verlangt dem Leser die Fähigkeit ab, sich wirklich einzulassen. Auch beim Nachwort handelt es sich nicht nur um schmückendes Beiwerk des Herausgebers, sondern es vermittelt auch dem Poesie-Laien die wichtigsten Hintergründe und die Motivation für die Entstehung der "neuen arabischen Lyrik", die sich erst mit Beginn des europäischen Einflusses im 19. Jahrhundert entwickelte.

Die Gedichte liegen erstmals in deutscher Sprache vor und wurden vom Herausgeber selbst übersetzt. Nicht zuletzt ist es auch sein ganz persönliches Anliegen, "der deutschsprachigen Literatur die Schönheit der arabischen Lyrik nahe zu bringen".

Redakteurin: Karin Tralmer

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Suleman Taufiq (Hg.)
Neue arabische Lyrik
dtv
237 Seiten, EUR 9,00
ISBN
3-423-13262-0
 

 

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Letztes Update: 11-01-2005 08:00

Veröffentlicht in : Buch, Belletristik
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