In der vom Krieg zerstörten Winterstadt erwarten die Zivilisten sehnsüchtig das Kriegsende. In dieser apokalyptischen Szenerie, in der Vergewaltigung und Kannibalismus an der Tagesordnung stehen, macht sich der Ghostwriter Schadhorst auf die Suche nach seiner geliebten Alma. Als eines Tages Lord Ox in seiner Hütte erscheint und ihm mit der Aufforderung: "Schreiben sie auf - ihre Bewegungen bei Tag und Regungen bei Nacht" eine Ladung Plastikfiguren in den Schoß fallen lässt, beginnt Schadhorst seine Aufzeichnungen über die Soldaten.
Der ehemalige Dozent und jetzige Räuberhauptmann Coursledge macht unterdessen in der Winterstadt Jagd auf Kens und matschfressende Barbies, wobei letztere aus Nahrungsmangel geschlachtet und verspeist werden. Zwei Reporter suchen einen Interviewpartner und Dr. Kock sucht einen Rucksack, der gleichsam als Leitmotiv des Romans erfasst werden kann, da er "alles" enthält.
In dieser düsteren und verwilderten Zeit sucht Meta Jobst mit ihrem Mann eine Herberge, in der sie ihr gemeinsames Kind zur Welt bringen kann.
Anzeige Die Handlung von Henning Ahrens Roman lässt sich kaum in Worte fassen, da die vielen Handlungsstränge stark ineinander verschachtelt sind und bewriken, dass der Leser bei dieser Fülle an unterschiedlichen Protagonisten und Handlungsebenen schnell den Überblick verliert, doch ist dieser Effekt von Seiten des Autors durchaus beabsichtigt.
Henning Ahrens vollbringt mit seinem zweiten Roman eine gelungene Mischung aus Realität und Fiktion. Seine Protagonisten, die eine wilde Mischung aus Barbiepuppen, Mangafiguren und Plastiksoldaten darstellen, sind durchweg kunstvoll gezeichnet. Nichtsdestotrotz ist Langsamer Walzer ein überaus origineller Roman eines Lyrikers, der meiner Meinung nach zu Recht von vielen Kritikern gelobt wird.