Ein junger Mann stürzt sich auf der Flucht vor seinen Verfolgern in die eisigen Fluten der Rhone - er hat nur ein Ziel: Seinem Vater eines der drei Zeichen zu bringen, mit deren Hilfe das Geheimnis um den Schatz der Templer entschlüsselt werden kann. Doch die Zeit wird knapp, denn sein Vater, Papst Clemens V., liegt im Sterben, und nur er hat die Macht und den Willen, die Schuld der Vergangenheit zu sühnen und das Erbe des Ordens zu bewahren.
Es ist Jahre her, dass der einst mächtige Orden der Templer zwischen der geistlichen Macht von Papst Clemens V. und der weltlichen Phillips des Schönen aufgerieben worden ist. Die letzten Brüder sind verstreut, ihre Überlieferungen sind zu Legenden geworden, darunter auch das Gerücht um den sagenhaften Schatz der Templer. Nun liegt es an dem jungen Bertrand de Comminges, dem leiblichen Sohn des Papstes, den wenigen Spuren nachzugehen, die zu eben jenem Schatz führen. Einen hält er bereits in der Hand. Es ist der Bischofsring des Heiligen Vaters. Doch Clemens' Gegner haben die Fährte bereits aufgenommen.
Auf seiner abenteuerlichen Flucht nach Avignon, wo der sterbende Papst auf seinen Sohn wartet, gerät Bertrand an die Familie der schönen Jüdin Miriam, die selber unlöslich mit dem Schicksal des Papstes und seiner Suche verbunden ist. Mit ihrem Bild im Herzen und der zynischen Weltklugheit ihres Bruders Seder an seiner Seite, stellt sich Bertrand Mächten entgegen, gegen die er eigentlich nur verlieren kann.
Die Faszination der Templer ist ungebrochen. Dan Browns Illuminati ist noch nicht aus den Bestsellerlisten verschwunden, und Nicolas Cage sucht im Kino nach dem sagenhaften Schatz. Nun widmet Thomas Mielke, Autor renommierter historischer Romane, dem Themenkomplex eine ganze Trilogie. Die Brücke von Avignon stellt den Auftakt dieser verwickelten Geschichte um Verrat und Treuebruch dar. Der Autor bekennt sich dabei zu der Schule, die die Templer als unschuldige Opfer in einem unüberschaubaren Geflecht von Ränken, Intrigen und Parteigängern sehen.
Leider nimmt Mielke es mit der Unüberschaubarkeit ein bisschen zu genau, denn er lässt eine Fülle von Namen und Hintergrundinformationen auf den Leser einprasseln, die gleichwertig neben der fiktiven Handlung um Bertrand, Seder und Miriam stehen. Die Folge ist ein atemloser Stil der schnellen Schnitte und Übergänge, die einen Leser, der nicht in die Materie eingearbeitet ist, leicht überfordern kann. Auch wirken die Hauptpersonen, insbesondere das schöne, mutige Judenmädchen allzu schablonenhaft und ihre glaubensübergreifende Liebe zu Bertrand entwickelt sich kaum. Und so bleibt der Roman letzten Endes enttäuschend, denn für einen historisch fundierten Einblick in die Geschichte bietet er zu wenig, für einen griffigen Roman zu viel Informationen. Die Brücke von Avignon ist eine lesenswerte Facette des alten Mythos, doch wirklich neues hat er nicht zu bieten.
Fazit: Empfehlenswert für Freunde der Epoche und des Templer-Mythos, wer hingegen einfach schmökern will, ist mit anderen Büchern besser beraten.