Leben wie Gott in Frankreich. Das ist der einzige Gedanke, den viele Senegalesen hegen. Dort liegt das große Geld und man muss nicht viel dafür tun. Ja sogar für das Auflesen von Hundekötteln soll man dort ein Gehalt vom Staat erhalten. Doch der Weg über den großen Ozean ist oft sehr viel schwieriger, als es sich die jungen Senegalesen vorstellen.
Nicht selten mussten die Auswanderer fünf oder gar zehn Jahre hart arbeiten und eisern sparen, bis sie sich die Reise nach Hause leisten können. Doch diese traurige Wahrheit wollen die jungen Menschen oft nicht wahrhaben.
So zieht es auch den jungen Senegalesen Madické in die Ferne, um dort in einem der großen Fußballclubs, deren Spiele er regelmäßig in dem einzigen Fernseher des Dorfes verfolgt, eine Karriere als Nachwuchsspieler zu beginnen. Seine große Schwester Salie soll ihm dabei unter die Arme greifen und ihm zumindest das Flugticket dorthin bezahlen. Schließlich lebt diese schon seit einigen Jahren in Frankreich und hat sogar schon ein Buch veröffentlicht, daher müsste sie in seinen Augen genügend Geld haben. Doch Salie weiß, dass das Leben in Frankreich nicht so rosig ist, wie viele sich das vorstellen. Die Senegalesen sind in Europa oft nur kleine Handlanger, die in überaus ärmlichen Verhältnissen leben, und da erscheint es ihr besser, ihn nicht nach Europa kommen zu lassen und ihn dort ein armseliges Leben leben zu lassen, wo er doch in seiner Heimat zwar arm, jedoch als respektierter Mann leben kann.
Auch Salies Leben in Frankreich war nicht immer rosig. Sie erlebte den Rassismus am eigenen Leib, doch kämpfte sie sich durch, denn es war nicht das erste Mal, dass ihr Abweisung entgegengebracht wurde. Im Senegal, wo sie als uneheliche Tochter bei ihrer Großmutter aufwuchs, verkörperte sie die Schande, die ihre Mutter über die Familie gebracht hatte und wurde von der gesamten Dorfgemeinschaft abgelehnt. Dass sie nun in Frankreich aufgrund ihrer Hautfarbe unerwünscht war, war für sie womöglich das kleinere Übel. Obwohl sie sich weder in Frankreich noch im Senegal wirklich heimisch fühlt, kommt eine Rückkehr in ihre eigentliche Heimat, den Senegal, für Salie nicht mehr in Frage.
Gemeinsam mit ihrem ehemaligen Lehrer und engem Freund Ndétare versucht sie bei einem Heimatbesuch, ihren Bruder und die anderen jungen Männer, die es über den Ozean zieht, davor zu bewahren, diesen Schritt zu wagen. Den wenigen, die es in Frankreich wirklich zu etwas Geld gebracht haben, stehen zu viele gegenüber, die scheitern und letztendlich im "Bauch des Ozeans" enden, der den Gescheiterten eine letzte Ausflucht bietet. Mit ihrem ersten Roman Der Bauch des Ozeans gelingt es Fatou Diome, die oft harte Realität eines Senegalesen in Frankreich einfühlsam und zugleich faszinierend zu schildern, wobei sie auf ihre ganz persönlichen Erfahrungen als Senegalesin in Frankreich zurückgreift. Die brillant geschriebene Geschichte der in Frankreich lebenden Senegalesin Salie und ihres Bruders Madické fesselt den Leser bis zur letzten Seite.