Vita ist die faszinierende Geschichte um das Schicksal zweier italienischer Kinder, die im Jahre 1903 ohne Erwachsene die lange und beschwerliche Reise über den Atlantik wagen, um in Amerika den Traum von einem besseren Leben zu verwirklichen. Vita, ein neunjähriges Mädchen, ist auf dem Weg zu ihrem Vater, der bereits vor vielen Jahren nach Amerika ausgewandert ist, um dort das große Geld zu verdienen, doch ist und bleibt er vorerst ein Fremder für Vita.
Diamanté, ein zwölfjähriger Junge, wurde von seinen Eltern nach Amerika geschickt, um dem Elend des italienischen Heimatdorfes zu entkommen, und die Familie von dort aus finanziell zu unterstützen. Doch was die beiden Kinder in New York vorfinden ist keinesfalls besser, als die spärlichen Verhältnisse, aus denen sie fortgeschickt wurden. Vitas Vater betreibt mit seiner italienischen Frau Lena eine Pension, in der dutzende von Tagelöhnern, zumeist entfernte Verwandte, auf engstem Raum zusammenleben.
Da Diamanté seinen Zug, der ihn zu Gleisbauarbeiten weiter ins Landesinnere bringen sollte, verpasst hat, ist er gezwungen, jede erdenkliche Arbeit anzunehmen, um in der neuen Welt zu überleben. Denn hier bekommt man nichts geschenkt, was Vitas Vater ihm unmissverständlich klarmacht. Er arbeitet als Lumpensammler, Zeitungsjunge und nimmt schließlich eine Stelle in einem zweifelhaften Beerdigungsinstitut an.
Auch für Vita sind die neuen Lebensumstände alles andere als angenehm. Sie muss lernen, die üblichen Hausfrauentätigkeiten zu aller Zufriedenheit zu erledigen, was ihr im Alter von neun Jahren keinesfalls leicht fällt. Durch den kurzzeitigen Besuch einer amerikanischen Schule lernt sie ein paar amerikanische Wörter kennen, die sie Diamanté beibringt, wofür sie als Gegenleistung ein paar unschuldige Küsse von ihm erhält.
Gemeinsam gewöhnen sich Vita und Diamanté an die neuen Lebensumstände und entdecken mit der Zeit ihre Gefühle füreinander. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit den beiden. Immer wieder trennt das Leben die beiden voneinander. Wo zunächst ein kompletter Kontinent zwischen ihnen liegt, weil Diamanté, um Geld für sich und seine junge Verlobte zu verdienen, eine Stelle als Wasserträger bei einer Eisenbahngesellschaft angenommen hat, liegt bald ein ganzer Ozean zwischen ihnen, denn Diamanté muss zurück nach Italien gehen, um dort den Wehrdienst zu absolvieren. Andernfalls könnte er nie wieder nach Italien zurückkehren.
Als Vitas Sohn mit den Alliierten im Jahr 1944 in Süditalien landet, mach er sich auf die Suche nach dem Mann, der sein Vater hätte sein können, wenn das Leben seiner Mutter anders verlaufen wäre.
Melania Mazzuccos Auswandererroman entpuppt sich zugleich als literarische Suche der Autorin nach der eigenen Familiengeschichte, in der sie versucht die Wahrheit von den Familienlegenden zu trennen. Die Roman um eine Kinderliebe, die nicht sein sollte, und eine vermeintlich gescheiterte Auswanderung ist ungemein spannend und zugleich so tragisch, dass es schwer fällt das Buch vor der letzten Seite aus der Hand zu nehmen.