Simon liebt die Frauen, leider gibt es kaum einen Menschen, der das schöne Geschlecht weniger versteht als der erfolglose T-Com-Verkäufer. Ob es um die schöne Verkäuferin im Coffeeshop gegenüber oder seine eulenhafte Chefin geht, Simon ist ein Meister darin, die Zeichen falsch zu deuten. Und das führt zu Verwicklungen, die tragisch wären, wenn sie nicht so brüllend komisch wären.
Simon hasst seinen Job, er hasst sein Singledasein, und als der IKEA-Verkäufer ihm auch noch einen Sessel für Singles empfiehlt, erkennt er, dass er sein Leben endgültig ändern muss. Das Weichei mutiert zum Jäger, und sein Wild sind die Frauen. Doch seine Versuche zu landen, enden jedes Mal in einer Katastrophe. In lose aufeinander aufbauenden Episoden, an deren Ende der Möchtegern-Casanova regelmäßig als der Gelackmeierte dasteht, wird eine Entwicklung beschrieben, die geradewegs in die Katastrophe führt: In den dreißigsten Geburtstag.
Anzeige Der Typ des Frauenverstehers ist endgültig out und taugt nur noch zur satirischen Komödie. Das hat auch Tommy Jaud begriffen, wenn er den eigentlich anständigen Kerl Simon mit seinen unausgegorenen Machoallüren zum Helden seines Romans macht.Der besondere Reiz vonVollidiot liegt dabei in seiner schnoddrigen Sprache. Jaud, der Simons Ich-Perspektive zu seinem Sprachrohr macht, schert sich nicht um political correctness. "Hackfresse" und "halslose Killerschwuchtel" sind Bezeichnungen, die ihm flüssig über die Lippen gehen. Dabei gelingt Jaud das Kunststück die Umgangssprache des Helden vollkommen natürlich klingen zu lassen. Mit erstaunlichem Sprachwitz und einfühlsamer Beobachtungsgabe ausgestattet lässt er Simon doch so sprechen, dass jeder Leser sich in seiner Ausdrucksweise wieder erkennen kann.
Darüber hinaus spricht Simon aus, was jeder von uns schon einmal gedacht hat. Er macht abfällige Bemerkungen über Frauen, über Ausländer, über Schwule und über ganz normale Menschen. Und das hat er nun einmal mit dem Rest der Menschheit gemeinsam.Vollidiot ist ein Buch ohne politische oder moralische Absichten. Simon wird nicht für eine satirische Bestandsaufnahme der deutschen Gesellschaft benutzt, er ist einfach ein Durchschnittstyp, der nicht erwachsen werden will. Komödie statt Satire, Witz statt Erziehung - solche Comedy braucht das Land!
Fazit: Erfrischende, unverkrampfte Komödie über einen sympathischen Loser.