Wenn du das Glück hattest, als junger Mensch in Paris zu leben, dann trägst du die Stadt für den Rest deines Lebens in dir, wohin du auch gehen magst, denn Paris ist ein Fest fürs Leben (Ernest Hemingway)
Bei Frankreich fällt den meisten Lesern zunächst Paris, die Stadt der Liebe ein. Kurz gefolgt von Wein, gutem Essen und den Chansons. Dass die moderne Gesellschaft mit der Französischen Revolution beginnt, ist weniger geläufig. Grund genug, uns in diesem Special ein wenig mit Paris, dem französischen Wein und aktueller Belletristik zu beschäftigen.
Robert Joseph - Bordeaux und seine Weine Hallwag Verlag 144 Seiten, EUR 24,90 ISBN 3-7742-0978-2
Bordeaux ist eine Chimäre: Stadt und Region zugleich, ein Weinbaugebiet mit zahlreichen Kiefernwäldern, Sandstränden, Buschland, eine Ansammlung von 8000 Wein erzeugenden Chateaux, die bisweilen kaum als Bauernhaus durchgehen, eine jährlich wiederkehrende Weinflut, in der das gesamte Spektrumvon haarsträubend bis himmlisch vertreten ist.
Robert Joseph hat in seinem bei Hallwag erschienen Buch Bordeaux und seine Weine eine klar verständliche Einführung in die Region und dessen Weine vereint. Vor einer schwierigen Aufgabe stand Joseph, denn die Region um Bordeaux ist vielschichtig. Eine der faszinierendsten Weinregionen Frankreichs.
Joseph widmet sich bei den Hintergrundinformationendem Anbau, der Erzeugung, Terroir und Marktposition der besten und bekanntesten Bordeaux-Weine. Neben einer Darstellung der geographischen Gegebenheiten, vermittelt der Band auch einen kleinen geschichtlichen Einblick in die Entwicklung der Region.
Fazit: Mittelding zwischen Bildband und Vermittlung von Hintergrundinformationen.
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Andrew Jefford Weinlandschaft Frankreich Mit Fotos von Jason Lowe Hallwag 256 Seiten, EUR 39,90 ISBN 3-7742-0899-9
Weinlandschaft Frankreich
Die Begriffe Tradition, Kultur und höchster Genuss sind mit Frankreichs Weinen verbunden. Aber auch viele Weinregionen der neuen Welt (Kalifornien, Australien) erzeugen qualitaiv hochwertige Weine. Warum sollte man also den französischen Regionen und seinen Erzeugnissen treu bleiben?
Andrew Jefford meint "Die schlimmen Lektionen haben sie bislang zum Glück noch nicht gelernt - nämlich dass Marken im Weinbusiness ebensoviel Bedeutung haben wir in anderen Wirtschaftszweigen, dass Rehänge lediglich ein Terrain für Investoren sind, dass Weinbereitung nichts weiter ist als angewandte Chemie, dass der Sinn und Zweck der Weinerzeugung in Aktiengewinnen liegt und dass Marketingstrategien wichtiger sind als Duft und Geschmack."
Jefford beleuchtet 14 Anbaugebiete, von der Champagne bis Korsika und von Burgung bis Bordeaux und stellt neben der Region auch einzelne Winzer-Persönlichkeiten vor. Seine Beleuchtungen zeigen, wieviel "Leben" in der Weinregion Frankreich steckt und mit welchen neuen Ideen Winzer versuchen, die Regionen aktiv zu halten.
Weinlandschaft Frankreich wurde mit dem André Simon Award ausgezeichnet.
Fazit: Optisch und inhaltlich kann Andrew Jeffords Weinlandschaft Frankreich überzeugen und macht Lust auf eine eigene Entdeckungsreise.
Über den Autor:
Andrew Jefford zählt seit mehr als einem Jahrzehnt zu den führenden Weinautoren. Er ist Weinkorrespondent des Londoner Evening Standard und präsentiert Sendungen bei BBC Radio 4. Neben seinen Weinbüchern schreibt er auch Beiträge für verschiedene Weinpublikationen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. "Glenfiddich Wine Writer of the Year", "International Wine & Spirit Communicator of the Year" und "Glenfiddich Radio Broadcast of the Year".
Über den Fotografen:
Jason Lowe ist ein weit gereister und sehr vielseitiger Fotograf. Seine Bilder scheinen sowohl in Buchpublikationen als auch in zahlreichen internationalen Zeitschriften. Für seine Food-Fotografien im Independent, wo er mit Simon Hopkinson zusammenarbeitet, wurde er 2001 mit dem "Glenfiddich Award" ausgezeichnet.
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Paris & Geschichte
Geschichte Frankreichs
Ernst Hinrichs (Hg.) Geschichte Frankreichs Reclam 389 Seiten, EUR 39,90 ISBN 3-15-010494-7
Ernst Hinrichs verfolgt, gemeinsam mit fünf weiteren Fachgelehrten, das Auf und Ab der Grande Nation – von der Entstehung des westfränkischen Reichs bis ans Ende des 2. Jahrtausends. Der Band erfreut nicht nur durch seinen übersichtlichen Aufbau und die lebendigen und klugen Texte – die Auswahl und Qualität von über 100 Abbildungen suchen ihresgleichen.
Soweit die Informationen des Verlags. Die Veröffentlichung eines solchen Buches stellt die Herausgeber immer vor große Herausforderungen. Aktuell sollen die Inhalte sein, möglichst alle Bereich abdecken, nicht mit langatmigen Texten den interessierten Leser ermüden, mit Bildern auflockern und zum weiteren Nachlesen und Nachschlagen animieren.
Kurzum: Ernst Hinrichs gelingt als Herausgeber mit Geschichte Frankreichs ein umfassendes und interessantes Werk, das auf die Kleine Geschichte Frankreichs von 1994 zurückgeht. Auf rund 400 Seiten findet der Leser alle wichtigen Fakten und Zeiträume, von den Anfängen im 9. Jahrhundert bis heute.
Paris - Monumental
Gilles Plazy (Hg.) Paris Flammarion 480 Seiten, EUR 80,00 ISBN 2-0802-1009-2
Klein und doch groß liegt sie unter dir die Metropole Paris. Mögen die Autos und Spaziergänger vom Wahrzeichen der Stadt auch winzig wirken, erstrecken sich die Ausläufer der Stadt in alle Himmelsrichtungen fast bis zum Horizont. Genauso monumental liegt Gilles Plazy (Hg.) Paris vor einem. 480 geballte Seiten im Format von 27 x 34 cm - Hochglanz, 600 Farbabbildungen, mehr als 3,8 kg schwer. Sie will dem Leser Geschichte, Architektu, Kunst und Lebensart näher bringen.
Neben New York, London und Rom gehört Paris zu den faszinierendsten Metropolen der Welt. Das vorliegende Buch stellt Paris stilvol und ultimativ da. Die Geschichte vom kleinen gallischen Dorf bis zur Millionenstadt stellen die Autoren vor. Aber auch die Architektur von Einzelmonumenten wie Notre Dame und Centre Pompidou bis zur Stadtentwicklung von Haussmann bis Mitterand und die Kultur in den verschiedenen Epochen der Stadt kommen nicht zu kurz.
Künstler, Schriftsteller, darunter Heinrich Heine, Picasso, Hemingway, Josephine Baker, Vladimir Nabokov und Hans Arp, hat es nach Paris gezogen. Sie waren fasziniert von der Stadt und ihrer Atmosphäre.
Natürlich kann kein Buch das Umherstreifen in den Straßen ersetzen, "... aber kan ein Buch helfen, den Reiselustigen auf seine Begegnung einzustimmen und später seine Erinnerungen zu beflügeln, und es kann demjenigen, dem die Begegnung versagt bleibt, optischen Trost bieten", so Gilles Plazy im Vorwort.
Fazit: Monumentales Werk einer schönen Metropole - zum Durchblättern zu schade - zum Träumen und Verweilen genau richtig.
Man sieht nur mit dem Herzen gut
Roselyne de Ayala Nathalie des Vallières Man sieht nur mit dem Herzen gut Antoine de Saint-Exupéry - Eine illustrierte Biografie Knesebeck Geb., 224 Seiten Mit 200 meist farbigen Abbildungen EUR 29,90 ISBN 3-89660-184-9
Ein kleiner Junge mit struppigen Haaren, der sich angeregt mit einem Fuchs unterhältoder auf einem Stern mitten im Nachthimmel steht – diese märchenhaften Bilder sind uns aus dem Buch Der Kleine Prinz bekannt, das seit 1943 Millionen von Kindern und Erwachsenen verzaubert hat. Dass sein Schöpfer, Antoine de Saint-Exupéry, schon vor dem Erscheinen dieses Bandes ein leidenschaftlicher Zeichner war, wissen die wenigsten. Schon als Kind verzierte er Briefe und Manuskripte mit Bildern und Skizzen. In diesem reich illustrierten Band sind achtzig Zeichnungen als Faksimiles in Farbe abgedruckt. Die von Saint-Exupéry handgeschriebenen Texte wurden transkribiert. Sie zeigen die Faszination des Autors für die Sterne, für das Fliegen, für geheime Verstecke und für das Kind, das in jedem Erwachsenen steckt.
Anhand der Zeichnungen führen die Autorinnen Roselyne de Ayala und Nathalie des Vallières den Leser stationsweise durch das Leben Antoine de Saint-Exupérys. Daneben zeigen biografische Abrisse seine vielen Talente als Autor, Zeichner, Pilot und Erfinder. Die Beziehungen zu Frauen, der Kontakt zu seinen Freunden und das besondere Verhältnis zur Mutter werden anhand der Briefe, der Illustrationen und der Begleittexte anschaulich verdeutlicht. Es entsteht das Porträt eines widersprüchlichen Einzelgängers, der stets engen Kontakt zu seinen Freunden und seiner Familie suchte, sich aber in der Einsamkeit der Wüste und des Himmels am wohlsten fühlte.
Fazit: Ein wunderschöner Geschenkband und ein Muss für alle Liebhaber des Kleinen Prinzen.
Über die Autoren:
Nathalie des Vallières ist Kunsthistorikerin und die Großnichte Antoine de Saint-Exupérys. Sie arbeitet für die Gesellschaft zur Förderung des Werks von Antoine de Saint-Exupéry.
Roselyne de Ayala ist Historikerin und arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren als Lektorin und Autorin. Sie hat in Frankreich mehrere Bücher veröffentlicht.
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Belletristik
Philippe Djian In der Kreide Aus dem Französischen von Uli Wittmann Originaltitel: Ardoise Diogenes 128 Seiten, EUR 16,90 ISBN 3-257-06388-1
Philippe Djian
Sag mir, was du liest, und ich sag dir, wer du bist. Ein Buch über die 10 Autoren, die Philippe Djian am meisten beeinflußt haben – nicht nur im Schreiben, sondern oft auch im Leben.
"Ich bin nicht ganz von allein groß geworden. Ich verdanke anderen Autoren sehr viel." Zum Beispiel Blaise Cendrars – hätte Philippe Djian ihn nicht gelesen, wäre er wohl kaum so viel in der Welt herumgereist. "Jeder normale Mensch sollte einen guten Koffer besitzen. Und Cendrars lesen. Wenn man Cendrars liest, hat man das Bedürfnis, an die frische Luft zu gehen, draußen herumzulaufen und zu beobachten, was ringsumher geschieht. Wenn man Cendrars liest, wird die Welt zu einem sprühenden Feuerwerk. Und das Leben kommt einem wunderbar vor, selbst wenn es grauenhaft ist." Zum Beispiel William Faulkner – der ihm zeigte, dass der Literatur eine hypnotische Kraft innewohnen kann: "Ich verdanke Faulkner so manchen Rausch, wie ihn keine Droge je in mir ausgelöst hat." Zum Beispiel Richard Brautigan – dessen Selbstironie Philippe Djian beeindruckte: "Die ernsthaftesten Dinge der Welt – die Liebe, die Literatur, das Ich – können zugleich auch die witzigsten sein. Für Brautigan ist nur witzig, was tiefsinnig ist, so wie nur Dinge, die eine Seele haben, leicht sein können." Philippe Djian – der "James Dean der Schreibmaschine" (Münchner Merkur), "der Schriftsteller, der sein Handwerk beherrscht wie Mick Jagger das Singen" (Sächsische Zeitung) – beschreibt uns hier seine ureigensten Leseerlebnisse und verrät uns dabei einiges über seine Lieblingsautoren, aber noch viel mehr über sich selbst.
Fazit: Wer mehr über Philippe Djian und seine literarischen Vorbilder und Lieblingsautoren erfahren möchte, kommt an diesem Titel nicht vorbei.
Über Philippe Djian
Geboren am 3.6.1949 in Paris. "Ein Jahr Literaturwissenschaft … danach eine Journalismusschule … das Ganze ödete mich an. Mir fehlte wohl das innere Feuer. Danach habe ich zwei Monate als Docker in Le Havre gearbeitet. Mein Fangeisen habe ich heute noch. Ich habe Kaffeesäcke gelöscht, die oben von der Reling heruntergeworfen wurden. Ich hab die Sache schnell begriffen, nämlich, die Säcke so aufzufangen, daß ein großer Teil des Inhalts woanders landet. Ich wollte auf einem Schiff nach Südamerika anheuern … Ein Kindertraum, aus dem leider nichts wurde. Schließlich habe ich mir mit dem, was ich verdient habe, ein Flugticket nach New York gekauft. Dort habe ich sechs Monate lang in der 'Librairie française' im Rockefeller Center gearbeitet. Danach bin ich endlich nach Kolumbien gefahren. Zusammen mit einem Freund habe ich eine Reportage über die Wahlen und die Guerilleros gemacht. In Frankreich hat sich niemand dafür interessiert. Da ist mir die Lust am Journalismus vollends vergangen. Ich habe anderthalb Jahre bei 'Détective' gearbeitet. Ich habe Artikel überarbeitet. Was man als Schriftsteller daraus lernen kann, ist, sich knapp zu fassen, dem Text jedes Gramm Fett zu entziehen. Ich habe in der Buchhandlung Gibert Jeune gearbeitet, Wohnungen neu gestrichen… Und ich hatte ein Kind. Ich wollte nicht mit ihm in Paris bleiben. Dazu braucht man Geld. Also bin ich in die Nähe von La Ferte-Bernard gezogen, in der Gegend von Le Mans. Nachts habe ich an der Zahlstelle der Autobahn Paris–Le Mans gearbeitet, an der kleinen Ausfahrt. Genau da habe ich angefangen zu schreiben. Zunächst Chansontexte. Ich hatte schon immer kleine Geschichten in ein Notizbuch geschrieben. Da habe ich angeknüpft. Schließlich habe ich mir in der Kabine eine Schreibmaschine auf die Knie gestellt." Mit seinem dritten Roman, Betty Blue. 37,2° am Morgen, wurde Philippe Djian 1985 weltberühmt.
Generation 9-11
Etwas mehr als zweieinhalb Jahre nach den Terroranschlägen von New York erscheint nun nach zahllosen Sachbüchern zum Thema der erste Roman, der sich den letzten Stunden im World Trade Center widmet. Ein amerikanisches Heldenepos? Weit gefehlt – das Buch stammt ausgerechnet von einem französischen Skandalautor.
Um so erstaunlicher mag es da zunächst erscheinen, daß dieses Buch kaum Kritik an den USA oder gar dumpfen Antiamerikanismus enthält. "Gewidmet den 2801 Toten", steht anstelle dessen zahm am Beginn des Buches, ganz politisch korrekt. Der Autor erfindet – denn rekonstruieren lassen sich diese Szenen wohl kaum – in 115 Kapiteln à eine Minute die letzten Stunden im Restaurant "Windows on the world", einige Etagen oberhalb des ersten Boeing-Einschlags. Für Carthew Yorston – einen geschiedenen Immobilienmakler, der mit seinen beiden Kindern einen Ausflug macht – wird dieses Restaurant zur Falle, aus der es – eine Ironie des Schicksals – aufgrund der Sicherheitssysteme im World Trade Center keinen Ausweg gibt.
In jeder Familie gibt es ein schwarzes Schaf. Jemanden, auf den niemand stolz ist, auf den alle mit dem Finger zeigen. Jemanden, der keine richtige Arbeit hat, keine Familie gegründet hat oder Alkoholiker ist. Oder alles zusammen.
Der Erzähler dieses Buches ist so ein schwarzes Schaf.Er meidet das "ich", spricht von sich selbst als "der Onkel" oder redet den Leser mit "Sie" an, wenn er eigentlich sich selbst meint. Er lebt irgendwo zwischen verschiedenen kurzen Beziehungen, mal allein, mal bei seinen Eltern, zwischen verschiedenen Jobs und in mehreren Bars und Kneipen. Mit Hilfe des Alkohols und kruder Fantasien kämpft er gegen die Langeweile an.
Ziemlich flott reißt einen dieser Roman in die unerklärlichen Vorgänge der Studentenstadt Rennes hinein. Die Protagonistin hat noch keinen Tag studiert, als sie schon abweichlerische Forschungen unternimmt und vor allem mit unerklärlichen Situationen konfrontiert wird. Dabei spielt die mystisch-geheimnisvolle Geschichte des die Stadt umgebenden Waldes eine Rolle.