Irgendwie ist es dumm gelaufen mit Lamberts Versuch, die Brötchen und vor allem die Unterhaltszahlungen für den kleinen Walter als Beerdigungsredner zu verdienen. Dabei hatte er sich sein Einkommen schon auf rund zweitausend in der Woche hochgerechnet. Bei fehlender Sterbebereitschaft wäre er aber auch mit zweitausend im Monat einverstanden gewesen.
Doch der Friedhof war schwer zu finden, dazu ein einziger Irrgarten, die Trauergäste teilweise schon mit Pastoren als Rednern versorgt. Der Friseur, dessen Lebenswerk er posthum würdigen wollte, war nicht zu finden. Beklagenswertes Schicksal eines zu früh verstorbenen Haargenies. Nun muss sich Lambert wieder etwas anderes überlegen, um Geld zu verdienen. Annette drängelt schon und ist auch noch knauserig. Sie ist nicht länger bereit, ihm seine Ganther- Schuhe und die Thermojacke zu bezahlen. Und dann wartet ja auch Claudia, die Mutter vom nicht mehr ganz so kleinen Walter auf die monatlichen Unterhaltszahlungen. Er ist zu bedauern, dieser Lambert, bei dem nichts klappt, außer seinen Katastrophen- und Untergangsvisionen, die blühen und gedeihen. Da braucht sich seine Lebenspartnerin Annette nur etwas zu lang im Bad einschließen, da weiß er schon, was Sache ist. Sie hintergeht ihn mit Winterberg, dem Schriftsteller, der eigentlich nicht schreiben kann, aber trotzdem eher gedruckt wird als Lambert. Dabei ist die Sache mit Winterberg angeblich längst vorbei, denn das war ja bevor Lambert in Annettes Leben trat. Doch wenn er über die Häufung von Milchkaffeetrinkern und Hundehaufen in Annettes bevorzugtem Wohnviertel Friedrichshain zu philosophieren beginnt, droht sie ihm schon mit einem Anruf bei Winterberg. Er kann sich nicht entfalten, es hört keiner auf ihn. Niemand will wissen, wie schlecht es um seinen Zustand und den der Welt bestellt ist. Claudia wird ihm den Kontakt zum kleinen Walter untersagen und wahrscheinlich mit dem Brotmesser auf ihn losgehen, so wie schon damals seine Mutter. Seine Ex- Schwiegermutter, die einmal so verführerisch war, dass er den Verlockungen ihrer Brüste erlegen war, wird an Brustkrebs sterben und er wird seinen Job bei der Goldenen Post verlieren, wo er Lebensschicksale zu Papier bringt.
Dabei ist Lambert zu Höherem geboren, es merkt nur keiner, Annette nicht und auch nicht Claudia. Nur Winterberg scheint es durchschaut zu haben. Deshalb spioniert dieser Schriftsteller mit Schreibhemmung hinter Lambert her und saugt den Stoff aus dem sein Leben ist, förmlich aus ihm heraus.
Diese Entdeckung ist zunächst beunruhigend, löst dann aber die Finanzprobleme, denn nun liefert Lambert Lebensstoff gegen Bares. Damit kann er dann wieder seinen Unterhaltszahlungen nachkommen, sich sogar mit Claudia versöhnen, er spart sich den Gang zum Sozialamt, kann den Machenschaften von Annettes Firma auf die Schliche kommen und die damals verpasste Begegnung mit Daniela nochmals neu und strahlend inszenieren.
Nachspielzeit nennt das Lambert und triumphiert schon innerlich über alle Schrecken und Niederlagen. Doch Winterberg, den er noch nie für einen guten Schriftsteller angesehen hat, braucht nicht nur Ideen, er gewinnt mit dem Zugriff auf Lamberts Leben Macht. Er schreibt ihm ein Kind mit Downsyndrom, eine zum zweiten Mal gescheiterte Beziehung mit Claudia, den endgütigen Abschied von Walter und dann auch noch den Tod auf den Leib. Ob das sein Beerdigungsredner auf die Reihe kriegt?
Norbert Müller ist mit dem Sorgengenerator ein fulminantes Szenario gelungen. Je nach Lust und Stimmung kann man lesend Lamberts Tiraden amüsiert von außen anschauen oder als eigene Obsessionen und Ängste mit ihm teilen und durchleiden. Grandios und erschreckend zugleich, wie gut Norbert Müller über unsere immer gleichen rechthaberischen Beziehungsdiskussionen und die schlafraubenden Erörterungen über Namen, Getränkevorlieben oder Zukunftspläne Bescheid weiß. Aber glücklicherweise sind ja Ähnlichkeiten mit lebenden Personen rein zufällig, sagt Winterberg, der Autor, und der muss es ja wissen.