Die junge Berenike kennt nur ein Ziel: Sie will die berühmteste Dicherin ihres Zeitalters werden. Doch dann lernt sie den jungen General Ptolemaios kennen und verliebt sich unsterblich. Was folgt ist eine wildbewegte Odyssee durch das von Bürgerkrieg und Unruhe zerrissene Kleinasische Reich. Am Ende steht für die junge Frau Ruhm und Liebe: Doch in den Armen welchen Mannes?
Alexander der Große ist tot, und die Satrapen von Ägypten, Griechenland und Mazedonien fallen wie wütende Hunde übereinander her, um sich um die Reste seines Reiches zu streiten. Da sind die junge Amazone Adea, die unbedingt Königin werden will, Alexanders Halbschwester Kleopatra und die stolze Königinmutter Olympias, die bis zuletzt die Loyalität ihrer Krieger besitzt. Und da sind der tapfere Ptolemaios und der brilliante Grieche Eumenes: Beide sind außergewöhnliche Männer, die außer ihrem unbeugsamen Machtwillen auch die Liebe zu der jungen Dichterin Berenike vereint.
Berenike ist einer dieser Frauengestalten, die gerne für historische Romane entdeckt werden, da sie in das Schema eines neuzeitlichen Frauenbildes passt. Gegen den Willen ihrer Familie - insbesondere ihres tumben Bruder Leonidas - folgt sie ihrer Bestimmung und ihrem Herzen. Sie verlässt ihren Ehemann und ihre Kinder, und begibt sich auf eine Irrfahrt wie die des großen Odysseus, der sich leitmotivisch durch den Roman zieht. Doch die Sehnsucht nach ihren Sprösslingen holt die junge Frau ein und wirft sie ein weiteres Mal aus der Bahn.
Tessa Korbers Roman liefert ein breit angelegtes Sittengemälde, das sich leider bisweilen in der Fülle der Fakten verliert. Zu detailliert werden dem Leser die Schlachtpläne, die Intrigen und Namen präsentiert. Doch seinen Charme bezieht Berenike letzten Endes aus seiner kämpferisch-naiven Protagonistin, die sich mit gut gelauntem Anachronismus durch Kleinasien liebt und singt und deren Hass-Liebe zu Eumenes mit viel Einfühlsamkeit erzählt wird. Erstaunlich blass bleibt hingegen ihre große Liebe Ptolemaios. Er ist nicht viel mehr als der Traumgeliebte in der Ferne, der erst auf den letzten Seiten seinen für das Happy-End nötigen Platz einnimmt.
Fazit: Schmöker für verregnete Nachmittage mit einigen sprachlichen und inhaltlichen Schwächen