Es gibt diesen Mann: Er ist katholisch, verträumt oder einfach ein schlechter Küsser. Anna Kaleri widmet sich mit ihrer ersten Buchveröffentlichung den kleinen Eigenheiten von Männern und Frauen und seziert die (Un)möglichkeiten des Zusammenlebens der Geschlechter.
Jede der Geschichten beginnt mit dem Satz "Es gibt diesen Mann". Es klingt wie Erstaunen, dass es tatsächlich Typen geben soll wie den Schweizer, der das Küssen hasst, und den Ex, in dessen Schulterblatt "sie" sich verliebt hat. "Sie", die weibliche Hauptperson also, scheint die in jeder Geschichte gleiche Frau zu sein oder doch der gleiche Typ Frau: "Sie" ist nicht mehr ganz jung, Mutter mehrerer Kinder und sehr abgeklärt, was die Schwächen des starken Geschlechts angeht. Doch trotz dieser Übereinstimmung lässt sich weitere keine Chronologie der Erzählungen erkennen, sie bleiben Streiflichter bestimmter Situationen und Verhaltensmuster.
Oft überraschen diese kurzen Geschichtchen durch ihre präzise, auch witzige Beobachtung zwischenmenschlicher Beziehungen von ganz normalen Menschen. Da es sich aber ausschließlich um abstrakte, bisweilen auch surreale Beobachtungen handelt, erreicht der Leser irgendwann einen Punkt, an dem er die Spannung eines Handlungsbogens oder einer genauen Charakterisierung vermisst. Insbesondere gegen Ende des Buches tritt eine leichte Ermüdungserscheiung auf. Ja, es gibt diesen Mann, und es gibt noch viele andere mehr. Von dem einen oder anderen hätte man sich sicher eine ausgeformte Geschichte gewünscht, die mehr als einen selbstverliebten kleinen Gedankenexkurs bietet.
Fazit: Leichte Kost, die sich gehaltvoller gibt, als sie ist