Taavetti Rytkönen ist verwirrt. Warum steht er auf dieser Straßenkreuzung, wie band man gleich noch einmal eine Krawatte, und warum muß er dieses Ding überhaupt um den Hals tragen? Der Taxifahrer Seppo Sorjonen hat ein Herz für den alten Mann, hilft ihm beim Krawattebinden und lädt ihn sogleich in sein Taxi, damit sich der Verkehr nicht noch weiter staut.
So beginnt auf dieser Straßenkreuzung die verrückte Erzählung über ein ungleiches Paar – dem ehemaligen Panzerkommandanten und Vermessungsrat Rytkönen, der zwar lange und verrückte Geschichten über seine Zeit an der russischen Front zu erzählen weiß, sich aber weder an seine Adresse noch an das Ziel seiner Reise erinnern kann, und dem Taxifahrer Sorjonen, der für den alten Mann seinen Job und beinahe auch seine Beziehung riskiert.
In einem skurrilen literarischen Roadmovie wird die abenteuerliche Taxifahrt der beiden erzählt. Die führt unter anderem auf den Bauernhof von Heikki Mäkitalo, einem alten Kriegskameraden Rytkönens, der das Landwirtschaftsdasein gründlich satt hat, da der Staat seinen Hof zu allem anderen als einem rentablen Unternehmen macht. So hat er unlängst beschlossen, den gesamten Hof dem Erdboden gleichzumachen und bereits einen detaillierten Spreng- und Schlachtplan ausgearbeitet. Rytkönen ist sofort Feuer und Flamme, und so machen sie sich daran, mit allem Eifer die Zerstörung des Hofes einzuleiten.
Als Mäkitalo krank wird, bittet er Rytkönen und Sorjonen, die vor der Zerstörung des Hofes in die Wildnis getriebenen Rinder zu jagen und zu schlachten. Ausgerüstet mit einem Peilsender machen sie sich auf den Weg in ein Naturschutzgebiet, wo sie neben den Kühen auch noch eine Gruppe Französinnen antreffen, die dort einen Selbstfindungskurs abhalten und den weltlichen Verführungen entsagen wollen.
Im Naturschutzgebiet wird ein provisorisches Lager aufgeschlagen, das zunächst als Jagdunterkunft und Schlachterei dient. Als Mäkitalo sich in den Kopf setzt, das Krankenhaus zu verlassen, um seinen Freunden bei der Jagd beizuwohnen, wird das Lager kurzerhand in ein provisorisches Spital umfunktioniert, wo wenig später auch die vom Fasten völlig ausgehungerten Französinnen versorgt und bis zum Erreichen des Normalgewichts versorgt werden.
Paasilinna erzählt die liebenswürdige Geschichte der beiden Männer, deren Verbindung vom kurzlebigen Verhältnis zwischen Taxifahrer und Kunde zu einer tiefen Freundschaft wird, mit viel Herz, aber ohne großes Pathos. Statt dessen werden viele kleine Geschichten eingeflochten, die zum Teil noch um einiges skurriler sind als die Haupthandlung selbst, etwa die Geschichte um eine mißglückte Zwiebellieferung, die in einem Panzer im Kriegsmuseum zwischengelagert wird und dort ein Wildschwein erfreut. Paasilinnas zelebriert verrückten finnischen Humor in Bestform – Vertreter deutschen Schenkelklopferhumors können sich da noch einige Scheiben abschneiden.
Über den Autor: Arto Passilinna wurde 1942 in Lappland geboren und zählt zu den populärsten finnischen Schriftstellern. Seine Romane wurden in viele Sprachen übersetzt und vielfach verfilmt und gewannen auch außerhalb Finnlands zahlreiche Literaturpreise.
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Arto Paasilinna Der Sommer der lachenden Kühe Aus dem Finnischen von Regine Pirschel 224 Seiten, BLT ISBN 3-404-92134-8