Ein amerikanischer Alptraum "Das kann nicht passieren. Nicht mir, nicht in Amerika," so denken die fünf Personen, die sich nach einer Flugzeugnotlandung auf einem amerikanischen Kleinflughafen in einem Alptraum wiederfinden, wie ihn keiner der fünf zuvor erlebt hat.
Um die Flugzeuginsassen der notgelandeten Maschine zu versorgen, werden sie bei hilfsbereiten Einwohnern der Kleinstadt untergebracht. Fünf von ihnen verschlägt es zu einem mysteriösen Mann, der sich ihnen nur als "Der Richter" vorstellt und sie mit ungewöhnlichen Fragen konfrontiert. Glauben die Fluggäste zunächst noch, daß hier lediglich etwas Theater zu ihrer Zerstreuung gespielt wird, so wird jedoch schnell klar, daß es dem Richter ernst ist.
Aus den Geretteten werden Gefangene. Während sie noch nach dem Sinn der Entführung und des eigenwilligen Auftretens des Richters suchen, wird im Laufe der Nacht klar, worauf es hinauslaufen soll: Einer aus ihrer Mitte soll erwählt werden, das Opfer des Richters zu werden. Und so erzählt ein jeder seine Geschichte, sucht für sich nach der Antwort, ob sein eigenes Leben mehr Wert hat als das der anderen, ob er lieber den Tod eines der Schicksalsgefährten als seinen eigenen in Kauf nehmen würde.
Ein Archivar, der ein geheimes Dokument überbringen will, das brisante politische Folgen haben kann. Ein Mann ohne Vergangenheit, der seinen Gefährten aus früheren Tagen sucht, eine Pressesprecherin auf der Reise zu ihrem Geliebten, ein Playboy, der alte Fehler wiedergutmachen will, und ein Soldat auf dem Weg zu seiner kranken Frau. Alle werden gezwungen, ihre Geschichten zu erzählen, ihr Leben den anderen auszubreiten.
Beobachtet werden sie dabei von dem Richter und seinem seltsamen Diener, der nur "Der Bucklige" gerufen wird, der die Grausamkeit seines Herrn kennt und fürchtet. So nimmt das Spiel seinen Lauf, das nur einen Ausgang haben kann: Einer von ihnen wird gerichtet werden, und einer von ihnen wird das Urteil vollstrecken.
Wiesel baut sein düsteres Kammerspiel aus der einfachen Grundidee heraus auf und treibt seine Protagonisten unerbittlich auf den grausamen Höhepunkt hin. Allerdings verliert sich das Buch dann mehr und mehr in den einzelnen Lebensgeschichten der beteiligten Personen, die eigentlich spannende Rahmenhandlung wird eher zum schmückenden Beiwerk. So treiben die Handlungsfäden ungeordnet nebeneinander her, bis die Geschichte banal und mit wenig Überraschung aufgelöst und der Leser nach dem starken Auftakt eher enttäuscht zurückgelassen wird.
Über den Autor: Elie Wiesel wurde 1928 in Siebenbürgen geboren und während des zweiten Weltkriegs nach Auschwitz deportiert. Er arbeitete nach dem Krieg als UNO-Berichterstatter und Schriftsteller, 1986 erhielt er den Friedensnobelpreis.