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Harry Potter and the Order of the Phoenix PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Hannelore Piehler, am 10-07-2003 11:18
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Harry Potter and the Order of the Phoenix - hier bestellen!Harry Potter and the Order of the Phoenix

Dolores Umbridge heißt die erste weibliche Lehrerin im Fach "Defence Against the Dark Arts". Kurz gesagt: Sie ist ein kompletter Reinfall. Nicht nur sind ihre Unterrichtsmethoden äußerst dröge. Die Stunden bestehen aus reiner Lektüre: "There will be no need to talk." Vor allem ist Dolores Umbridge eine Überzeugungstäterin, will für Ruhe und Ordnung in Hogwarts sorgen. Bald zieren ihre Anweisungen sämtliche Schwarzen Bretter der Schule.

Denn das Ministerium hat mittels der zum "High Inquisitor" beförderten Umbridge ein wachsames Auge auf Dumbledores Refugium, befürchtet doch Minister Cornelius Fudge, das ganze Gerede von "You-Know-Who is back" sei nichts anderes als eine Intrige gegen ihn, um ihn zu stürzen.

Der Konflikt zwischen Hogwarts Schulleiter Dumbledore und dem Ministerium ist das große Thema des fünften Harry-Potter-Bandes. Nicht nur Verschwörungstheoretiker werden ihre Freude an der Geschichte haben. "Harry Potter and the Order of the Phoenix" bietet wieder alles, was ein Potter-Fan begehrt: Spannung und überraschende Wendungen, aber vor allem Witz und liebevoll gestaltete Figuren und Details der Zaubererwelt. Der Leser kann sich auf ein Wiedersehen mit zahlreichen alten Bekannten freuen: Da wäre die illustre Lehrerrunde von der resoluten Minerva McGonagall bis zur melodramatischen Wahrsagerin Sibyll Trelawney. Im "Orden des Phönix" schließen sich die Gefolgsleute Dumbledores, von Werwolf Remus Lupin über Sirius Black bis zur Familie Weasley, zusammen, um gegen "You-Know-Who" anzukämpfen. Und natürlich nicht Hagrid zu vergessen, der im "Verbotenen Wald" diesmal eine Kreatur versteckt, die selbst Riesenspinne Aragog harmlos erscheinen lässt. Neu dabei ist dagegen die Metamorphmagus-Hexe Tonks, die ihr Äußeres beliebig verwandeln kann oder auch die etwas verträumte Ravenclaw-Schülerin Luna Lovegood mit ihrem Faible für paranormale Phänomene, das selbst bei Zauberern nur noch für Kopfschütteln sorgt.

Bei allem Medienrummel um "Harry Potter", der den Erfolg der Reihe oft als einzigen großen PR-Coup von Autorin und Verlag erscheinen lässt, geht oft unter, was bei der Lektüre stets die Hauptsache ist: Die Bücher zu lesen ist ein einziges Vergnügen. Autorin Joanne K. Rowling versteht es nicht nur, die Fäden der Handlung innerhalb eines Bandes geschickt zu verknüpfen. Sie behält auch stets den großen Spannungsbogen im Blick. Niemand wird, so scheint es, vergessen, und zahlreiche kleine Randbemerkungen werden später unverhofft wieder aufgegriffen und wichtig. "Das Werwolf-Motiv taucht im ersten Band auf; im dritten wird es zentral. Im zweiten Band kostet Harry vom Vielsaft-Trank, und die Probe eines kleinen Zauberstabduells findet statt. Im vierten Band entscheidet der Trank über den Plot, und beim Zauberstabduell kommt Harry fast um", erläutert Literaturwissenschaftler Michael Maar in seinem Essay "Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte" zum Konstruktionsprinzip. Im fünften Band nun treffen Harry, Hermine und Ron in der geschlossenen Abteilung des St. Mungo's Hospital unverhofft auf den - im zweiten Band - durch einen Vergessenszauber verwirrten Professor Gilderoy Lockart. Vor allem aber wird noch stärker als bisher das Eigenleben der, in anderen (Kinder-)Büchern oft vernachlässigten, Nebenfiguren auf liebevolle Weise herausgearbeitet. So muss Ron beispielsweise von seiner kleinen Schwester Ginny nebenbei erfahren, dass sie längst nicht mehr abstrakt für Harry schwärmt, sondern konkret mit einem Jungen namens Michael Corner ausgeht.

Das neue Schuljahr in Hogwarts ist, mit Harrys Abenteuern in den ersten vier Bänden verglichen, überwiegend von den Alltagssorgen der Schüler bestimmt. Während Voldemort im Verborgenen seine finsteren Pläne schmiedet, seine Truppen formiert und auch Dumbledores Phönix-Orden im Geheimen agiert, müssen sich die Fünftklässer auf die wichtigen OWL-Prüfungen vorbereiten, die über ihre späteren Berufswege entscheiden, erlebt Harry seine erste Liebe, strickt Hermine unermüdlich Mützchen für die Befreiung der Hauselfen oder steigt Ron zum neuen "Keeper" des Gryffindor-Quidditch-Teams auf.

Wieder ist eine Stärke der Autorin ihre Beobachtungsgabe und komplexe Psychologie. Nicht nur gerät Harrys Idealbild von seinem Vater ins Wanken, als er von einer Begebenheit erfährt, da einst James Potter den jungen Snape aus purer Lust, Malfoy gleich, öffentlich demütigt hat. Auch das Verhältnis der beiden Freunde Harry und Ron findet eine interessante Wendung, als Ron erstmals aus dem Schatten Harrys heraustritt, indem er, und nicht Harry, zum "Prefect" des Hauses Gryffindor bestimmt wird. Schließlich erhält Hermines Mitleid für die Hauselfen eine neue Dimension, als sich die respektlose Behandlung des, zugegebenermaßen verlogenen, hasserfüllten Hauselfen "Kreacher", bitter rächt. "Kreacher is what he has been made by wizards, Harry", erklärt Dumbledore - und Rowling wirft damit so ganz nebenbei (auch bei den Zentauren mitschwingende) ehtische Fragen auf. Mit Dolores Umbridge jedoch hat sie diesmal eine oberflächliche Figur, unsympathischer noch als die Dursleys, in die Potter-Welt eingeführt, deren Eindimensionalität allenfalls durch die großartigen Szenen wettgemacht wird, als ausgerechnet der verhasste Professor Snape Harry Nachhilfestunden in "Occlumency" (quasi der Verteidigung gegen Gedankenlesen) gibt.

Rowlings Lust am Fabulieren hat, alles in allem besehen, beileibe nicht nachgelassen. Der fünfte Band präsentiert sich erfreulich unbeeindruckt von ihrem enormen Erfolg (und damit verbundenen Erfolgsdruck!) und ist - wie von der Autorin angekündigt - durch die Wiederkehr des Lord Voldemort insgesamt von düsterer Atmosphäre, inklusive des - ebenfalls angekündigten - Todes einer wichtigen Figur. Was durchaus als gelungene PR-Strategie gedeutet werden kann (drei Jahre lang rätselte die Fangemeinde, wer denn nun sterben muss), mag jedoch schlicht Indiz für Rowlings literarische Ernsthaftigkeit sein. Vermutlich ist beides kaum noch zu trennen. Rowling jedenfalls sagte dazu: "Graham Greene hat gesagt, ein Schriftsteller habe immer ein Stück Eis in seinem Herzen. Und wenn man über das Böse schreibt und es damit ernst meint, kommt man um Todesszenen nicht herum. Es bringt nichts, zu schreiben: ,Voldemort brachte dreißig Menschen um.' Das ist einem egal. Erst wenn er jemanden umbringt, den Sie mögen, begreifen Sie, was das bedeutet. Deswegen muss die Figur dran glauben, so leid es mir tut."

Nun ja, der Showdown der guten gegen die bösen Zauberer freilich, bei dem der Tote schließlich zu beklagen ist, erinnert etwas zu sehr an die Laserschwert-Duelle von Star Wars (und ist filmisch sicherlich effektvoll umzusetzen). Der Tod und die Trauer Harrys sind jedoch zweifelsohne Themen, die in den zwei folgenden Bänden, wenn es zum großen Kampf der Zauberer gegen Voldemort kommen wird, noch stärker ins Zentrum rücken werden. Harry wird schließlich erwachsen. Die Kluft zwischen Kindern und Erwachsenen, ihrer Erfahrungswelt und den Schwierigkeiten ihrer Kommunikation, war von Beginn an ein unterschwelliges Thema der Harry-Potter-Bände. In "Harry Potter and the Order of the Phoenix" wird diese Problematik nun zentral. Zunächst wird sie in ironischen Nebenbemerkungen des Phineas Nigellus aufgegriffen: "Young people are so infernally convinced that they are absolutely right about everything. Has it not occurred to you, my poor puffed-up popinjay, that there might be an excellent reason why the Headmaster of Hogwarts is not confiding every tiny detail of his plans to you? (…) No like all young people, you are quite sure that you alone feel and think, you alone recognise danger, you alone are the only one clever enough to realise what the Dark Lord may be planning". Am Ende jedoch muss Dumbledore selbstkritisch einräumen, dass er offenkundig vergessen hat, wie es ist, jung zu sein, wie es ist, wenn einem von den Erwachsenen die volle Wahrheit nicht zugetraut wird. Dumbledores Zögern, Harry seine Handlungsweisen zu erklären, erweist sich als tödlicher Fehler. Als der 15-jährige Harry endlich die bislang verschwiegenen Hintergründe darüber erfährt, warum Lord Voldemort ihn einst töten wollte, ist das alles vielleicht inhaltlich keine große Überraschung mehr.

Jedoch: Man darf gespannt sein, wie Harry mit dem Bewusstsein um die tödliche Verstrickung weiter leben wird.
In spätestens zwei bis drei Jahren, wenn Harry im sechsten Schuljahr zaubern wird, so ist zu hoffen, wissen wir es.

Redakteurin: Hannelore Piehler

Informationen zum Buch

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Weiterführende Links / Besprechungen bei uns

Joanne K. Rowling
Harry Potter and the Order of the Phoenix
766 Seiten, Bloomsbury
ISBN
0-7475-5100-6

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Letztes Update: 10-07-2003 11:18

Veröffentlicht in : Buch, Belletristik
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