Osman Engin ist kein Türke, sondern Deutscher, schließlich hat er mittlerweile einen deutschen Paß. Wenn das die Skinheads in der U-Bahn doch auch endlich verstehen könnten! Mit denen verbindet Osman sowieso ganz eigene Geschichten.
Ob die Regierung ihn bezahlt, damit er, um Deutschlands Gesicht im Ausland zu wahren, selbst ein Asylbewerberheim in Brand zu setzt und so den Blick der Öffentlichkeit von den Skinheads auf die Ausländer lenkt oder ob er selbst, quasi zur Grundlagenforschung, zusammen mit seinem Arbeitskollegen Zwei-Linke-Hände persönlich ein rechtes Szenelokal besucht – Osmans Leben in Deutschland wird nie langweilig.
Anzeige Dass der BND ihn seit Jahren abhört, findet er eigentlich ganz in Ordnung, denn so hört ihm überhaupt einmal jemand zu, ganz im Gegensatz zu seiner Frau Eminanim, der "zweitgrößten Nervensäge des Mittleren Orients". Und auch sonst gibt er sich alle Mühe, sich endlich voll und ganz in die deutsche Leitkultur zu integrieren: er schimpft auf die linken Kommunisten und die Kanaken, schaut bei Pöbeleien in der Straßenbahn demonstrativ weg, und sein Fernsehalltag steht ganz im Zeichen der Talkshows.
31 irrwitzige Geschichten, in denen der Autor Osman Engin sein alter ego durch den deutsch-türkischen Alltag schickt, mal satirisch, mal kalauernd. So soll seine Tochter nach türkischem Brauch verheiratet werden und outet sich vor der gesamten Verwandtschaft, die in unzähligen Ford Transits angereist ist, als lesbisch. Mal mimt Osman den Gangster, mal wird er selbst beinahe in eine Flugzeugentführung verwickelt, mal schreibt er, natürlich kritisch beäugt von den Verfassungsschützern vieler Nationen, ein Buch und reiht sich ein zwischen "Albert Camus, Viktor Hugo und Dieter Bohlen". Am Tag des ausländischen Mitbürgers schließlich darf seine ganze Familie das schlechte deutsche Gewissen mal so richtig auskosten und ordentlich über die Stränge schlagen.
Oberkanakengeil ist nicht, wie der Titel leicht vermuten läßt, plumper Humor im Stil von "Dragan und Alder", vielmehr eine unterhaltsame Satire über deutsche und türkische Eigenarten und das Verhältnis der Deutschen zu ihren ausländischen Mitmenschen. Engin verzichtet allerdings gänzlich auf den erhobenen Zeigerfinger, sondern zieht statt dessen politisch völlig unkorrekt über alle Beteiligten her. Mit viel absurdem Humor und scharfer Beobachtungsgabe ist so ein Buch entstanden, das kurzweiliges Lesevergnügen garantiert.