Dieter Bohlen hat es vorgemacht, jetzt macht es Effe nach. Bücher verkaufen, die nur eins bedienen: Die Neugier des Publikums. Was hat sich das enfant terrible der Boulevardpresse jetzt ausgedacht, um die Öffentlichkeit zu schockieren? Was ist die wahre Geschichte seines Lebens?
Was erwartet ein Mensch, der eine Biographie liest? Insbesondere, wenn es sich um die Biographie eines noch lebenden Mittdreißigers handelt? Die Antwort ist relativ einfach: Neben ein paar interessanten Details aus dem Leben seines Stars möchte dieser Leser vor allem unterhalten werden. Der moderne Midas Dieter Bohlen hat das verstanden und hat aus seinem unerschöpflichen Reichtum von Geschmacklosigkeiten geschöpft. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen - zumindest auf Bohlens Konto. Effenberg hat bei seiner Selbstdarstellung einen anderen Weg gewählt: Den Schulaufsatz. Angefangen bei seiner Geburt als virengeschütteltes Baby bis hin zu seinen derzeitigen Träumen, seine Lebensgefährtin Claudia zu heiraten, ist beachtlich, wie es dem Autor gelingt, 311 Seiten zu füllen, ohne einen einzigen Höhepunkt zu setzen. Auch an seinem Stil fällt vor allem eines auf: Es gelingt ihm, die deutsche Sprache auf ein einziges Adjektiv zu reduzieren: total. Und auf die mögliche Unterscheidung von Schriftsprache und Umgangssprache scheint ihn auch noch niemand aufmerksam gemacht zu haben.
Anzeige Dabei hat Effenberg es nicht nur als Profifußballer zu einigem Ruhm gebracht. Immerhin wurde er Namenspate des Stinkefingers. Jetzt können wir endlich die Wahrheit über diesen Mann und seine Leidensgeschichte erfahren. Effenberg wurde missverstanden, falsch zitiert, und wenn etwas wirklich einmal passierte, wurde er provoziert - von Kollegen, Reportern und Fans. Diese Unschuld ist rührend, aber eigentlich erstaunlich bei einem Mann, der keine Gelegenheit verstreichen lässt, um zu betonen, wie aufrecht er ist, und dass er kein Blatt vor dem Mund nimmt.
Doch Effes Rechtfertigung ist erstaunlich unspektakulär und die kleinen Schläge gegen Intimfeind Lothar Matthäus sind eigentlich nur sanfte Klapse. Es findet nicht die wilde Schlamm- und Materialschlacht statt, die der Titel nahelegt. Stattdessen stellt sich der Autor lieber als oft missverstandenen, sich selber treu gebliebenen Familienmenschen dar. Soviel Zurückhaltung ist sicher lobenswert. Nur, wenn die Sensationslust des Lesers nicht befriedigt wird, dann fragt sich, warum er dieses außerordentlich dilettantisch geschriebene Buch kaufen soll.
Fazit: Effe hat es uns wirklich gezeigt: Schreiben kann er nicht. Aber keine Bange, er malt ja noch - und plant eine Ausstellung.