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Hudson River PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Karin Tralmer, am 21-04-2003 14:15
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Hier bestellen! "Reich und schön" geben sich die Bewohner des New Yorker Nobelvorortes Salthill. Ein elitärer Kreis von 40- bis 50-Jährigen von Noch- oder Nicht-mehr-Eheleuten, deren Kinder schon erwachsen oder dem elterlichen Haus längst in jugendlicher Rebellion entflohen sind. Eine gesellschaftliche Homogenität, die so leicht nicht zu ertragen ist, wäre da nicht der Exzentriker und Bildhauer Adam Berendt. Adam ist der Exot des Ortes, umgeben von einer geheimnisvollen Aura, schweigt er sich doch hartnäckig aus über seine Vergangenheit. Für die verwöhnten Frauen Salthills wird er zur Zielscheibe, auf die sie ihre nicht gelebten Träume projizieren. So buhlen sie um seine Aufmerksamkeit, seine Liebe und seine Erotik. Doch so leicht ist Adam nicht zu haben. Er scheint, unerreichbar zu sein ...
Welche Tragödie, als Adam bei der Rettung eines kleinen Mädchens aus dem Hudson River plötzlich umkommt. Nach dem ersten Schock setzt bei denen, die ihm nahe und gleichzeitig so fern waren, eine erstaunliche Entwicklung ein. Plötzlich kommt ihnen das bequeme Leben schal und leer vor. Der Drang nach Selbstverwirklichung, nach Sinnsuche wird übermächtig.

So verwandelt Camille ihr aufwendig restauriertes, historisches Haus in ein Asyl für verwahrloste Hunde, während ihr Mann Lionel in die Arme seiner südländischen Physiotherapeutin flüchtet. Die Geschiedenen unter ihnen, die ihr zerrüttetes Verhältnis zu den eigenen Kindern am meisten schmerzt, wagen einen Neuanfang. So bekommt Abigails neuer Verehrer nur deshalb eine Chance, weil er eine Tochter hat, der sie gerne eine Mutter sein will. Der einsame Anwalt, Roger, der sich neuerdings für die "Befreiung unschuldig Inhaftierter" einsetzt, sieht gar in seiner Sexpartnerin, als sie ungewollt schwanger wird, nur noch die Leihmutter, die ihm zu neuem Vaterglück verhelfen soll: "Und diesmal will ich es richtig machen." Die Buchhändlerin Marina mit der viktorianischen Haarpracht, verhinderte Künstlerin und wohl engste Vertraute von Adam, unternimmt in der Einsamkeit den Versuch, seine unfertigen Skulpturen zu vollenden. Und doch, muss schließlich auch sie erkennen, dass sie ihre eigenen Werke schaffen muss, wenn sie ihren Frieden mit sich machen will.

Der Leser darf die Hauptdarsteller begleiten bei ihren ersten Schritten auf der Suche nach dem persönlichen Glück. Dass sie paradoxerweise gerade dieses Bestreben von dem verstorbenen Lebenskünstler unterscheidet, wird sicher nicht allen Figuren des Romans bewusst, wohl aber dem Leser. Adam hat es sich nicht zugestanden, zu lieben oder geliebt zu werden. Welche uralte Schuld lastete auf ihm, die er zu sühnen versuchte? Nur einer, der üppigen Augusta, lässt dies keine Ruhe. Sie verlässt ihren Mann und macht sich auf den Weg, um Antworten zu finden.

Über die Autorin:
Die bekannte Schriftstellerin Joyce Carol Oates wurde 1938 in Lockport, New York, geboren. Ihre Kindheit in der ländlichen Idylle lässt sie genauso in ihre Romane einfließen wie die sozialen Missstände, die sie in ihrer Zeit in Detroit erlebt hat. Von klein auf widmete sie sich dem Schreiben später im Wechsel mit dem Unterrichten. Ihren ersten Roman ("The Garden of Earthly Delights") veröffentlichte sie 1967 und hat seitdem ein beachtliches Gesamtwerk geschaffen. Nicht zuletzt erregte sie Aufsehen mit ihrer Biographie von Marilyn Monroe mit dem Titel "Blond". Die Schriftstellerin lebt heute mit ihrem Mann in Princeton, New Jersey, wo sie seit 1978 an der Universität als Professorin lehrt.

Joyce Carol Oates
Hudson River
608 Seiten, Fischer (S.), Frankfurt
ISBN 3-1005-4011-5

Redakteur:



Letztes Update: 21-04-2003 14:15

Veröffentlicht in : Buch, Belletristik
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