Fürsorge und Geborgenheit sind nur leere Phrasen für Paula Fox, das Kind, das später zur weltberühmten Autorin heranreifen soll. Aber davon ist in den wilden Zwanzigern noch nichts zu bemerken. Paula schlägt sich mit Aushilfsjobs als Kellnerin oder Modell durch, lebt mit Freundinnen immer knapp am Existenzminimum. Lange Zeit ist sie angewiesen auf die fremden Kleider, die sie von Bekannten geschenkt bekommt, und die ihr Selbstverständnis entscheidend prägen.
Ihre frühe Kindheit bei Onkel Elwood erscheint Paula rückblickend als einzige Zeit der Ruhe in einem bewegten Leben. Aus der Babyklappe geholt und lange herumgereicht landet sie schließlich bei dem Geistlichen Elwood, der ihre erste Werte und ein Gefühl von Zugehörigkeit schenkt. Das unerwartete Auftauchen ihres charmanten sporadisch erfolgreichen Vaters und ihrer egozentrischen Mutter reißen sie aus ihrer Geborgenheit und verpflanzen sie erstmals in die Scheinwelt Hollywoods. Doch die feige Kameradschaftlichkeit des Vaters und die irrationale Gefühlskälte der Mutter lassen die kleine Paula keine Wurzeln schlagen. Es folgen bewegte Jahre in Kuba, New York, Forida, Kalifornien und New Hampshire, Jahre der Armut und der Orientierungslosigkeit. Nur allmählich schält sich unter den geborgten, oft geschmacklosen Kleidern die eigentliche Persönlichkeit Paula Fox heraus.
Wer wagt ihn nicht bisweilen, den Blick zurück, sei es nun im Zorn oder in Wehmut? Gemeinsam haben diese Rückführungen in die Kindheit in der Regel eines: Eine manchmal kitschige, oft schmerzhafte Emotionalität. Nicht so In fremden Kleidern: Die Erinnerungen der Autorin Fox erscheinen dem Leser erstaunlich distanziert und frei von jener typischen "Stand-by-me-Atmosphäre" dieses Genres. Oft bruchstückhaft und immer sehr authentisch, beschreibt sie, ohne zu werten. Lange Zeit erscheint dieser besondere Stil der Blick des Kindes, das der Erwachsenenwelt ausgeliefert und fragend gegenübersteht, doch auch die heranwachsende Paula lässt den Leser weitgehend allein mit der Aufgabe, Schlüsse aus den mannigfachen Beobachtungen und Details zu ziehen. Es ist kein Buch für Sentimentalisten, nicht einmal ein einfaches Buch, aber es macht neugierig auf die Werke einer Frau, deren Leben so zerrissen und oft gefühlskalt verlaufen ist.
Über die Autorin:
Paula Fox wurde 1923 in New York geboren und begann ihre literarische Karriere mit zahlreichen Kinderbüchern. Weltruhm erlange sie später mit den Romanen "Paulas Schweigen", "Kalifornische Jahre" und "Was am Ende bleibt". 1978 erhielt sie den Hans-Christian-Andersen-Preis.
Paula Fox In fremden Kleidern 304 Seiten, gebunden C.H. Beck ISBN 3-406-50271-7