Anlass zum Schreiben meiner Autobiografie: der Schotter. [...] F rüher haben die Leute für die Lügen über mich sehr viel Geld gekriegt, jetzt kassiere ich für die Wahrheit," so schreibt Dieter Bohlen im Vorwort als Begründung – oder sollte man sagen: als Rechtfertigung? – dafür, daß er jetzt ein Buch schreibt. "Es ging ihr immer nur um Kohle," lästert er knapp dreihundert Seiten konsequenterweise später über Ex-Frau Feldbusch.
Das Geld wird er gut brauchen können, sofern ihn jeder verklagt, der nach diesem Buch einen Anlaß dafür hätte. "Teppichluder" Janina zum Beispiel: "Richtig unterhalten konnte man sich mit ihr leider nicht, sie hatte den IQ einer Tüte Popcorn.". Oder auch Verona Feldbusch: "Verona ist da verhaltensgestört, sie ist schizophren, so eine Art Frankenstein-Kreuzung aus Mutter Beimer, die einen an ihren Busen drückt, und Alice Schwarzer mit Eierklemmen." Das haut schon rein, um in der Sprache des Buches zu bleiben. Auch political correctness ist nicht unbedingt Bohlens Stärke: "Jeanne sah aus wie die kleine Schwester von Whitney Houston und war meine erste Erfahrung mit Schokoflockie-Genen."
Aber welchen Inhalt enthält dieses Buch auf seinen über 350 Seiten? Schätzungsweise zweihundert Seiten gehen für Variationen des Themas "Bohlen ist der Größte" drauf, mal bezogen auf die Musik ("ich hatte den besten Komponisten, Texter und Produzenten, den ich mir wünschen konnte: mich selbst"), dann wieder auf die Frauen, die offenbar zu Tausenden Schlange stehen, um mit ihm im Bett / auf dem Ferrari-Rücksitz / der Toilette zu landen. Weitere hundert sind Beschimpfungen von Verona und Naddel, schätzungsweise vierzig freundliche bis beleidigende Sticheleien gegen Showbiz-Kollegen, und immerhin fünf Seiten nimmt sich Bohlen für den Bett-Unfall mit Naddel, der in einer "Penisfraktur mit Ruptur der Schwellkörper" gipfelt, die nur von Professor Huland, einem "Crack of Pimmelfragen" geheilt werden kann. Auf unter dem Strich etwa einer halben Seite werden dann aber auch schon mal ernste Themen behandelt, wie etwa das angespannte Verhältnis von Bohlen zu seinen Kindern nach der Trennung von seiner ersten Frau.
Sprachlich erwartet den Leser das, was eben dabei herauskommt, wenn ein Dieter Bohlen mit Hilfe einer Bild-Redakteurin ein Buch schreibt – nackte Umgangssprache. Würde ein anderer Name als "Bohlen" das Cover zieren, so würde man das vielleicht Pop-Literatur oder Neo-Naturalismus nennen und im Feuilleton wohlwollend besprechen.
Und doch: Es macht letztlich Spaß, dieses Buch zu lesen. Man fragt sich, ob der Dieter Bohlen aus dem Buch nun wirklich der Echte ist. Oder ob er mit seinem Buch nicht einfach genau das macht, was er auch in der Musik betreibt – bewußt hohe Verkaufszahlen anstelle von hoher Qualität zu produzieren. Ob Bohlens geschmacklichen Entgleisungen nun echt sind oder kalkuliert, um die Auflage nach oben zu treiben, sie bieten einen enormen Unterhaltungswert, den man sich eigentlich nicht entgehen lassen sollte.