Versprecher sind in der Literatur bereits lang und breit beschrieben worden, ganze Bände füllen sich mit mehr oder weniger peinlichen, lustigen oder unsinnigen Versprechern mehr oder weniger bekannter Personen. Das Verhören führt dagegen weithin ein Nischendasein. Zu Unrecht!, dachte sich der Autor und Kolumnist Axel Hacke, und hat sich des Verhörens angenommen.
Wir alle hören täglich Musik, singen vielleicht sogar dann und wann mit, wenn im Radio eine vertraute Melodie gespielt wird. Verstehen wir aber immer, was gesungen wird? Mitnichten! Und es ist auch gar nicht notwendig – viel wichtiger, als den tatsächlichen Wortlaut zu verstehen, sei es, so Hacke, daß durch den Versuch, einen Sinn in das Gehörte zu bringen, die Phantasie des Zuhörenden angeregt wird. Überhaupt, so argumentiert der Autor weiter, sei aus diesem Grund die Musik im Wesentlichen nur genau dazu da, mißverstanden zu werden.
Hacke hat schon als Kind peinliche Erfahrungen mit dem Verhören gemacht, als er in der Schule bei „Jetzt fahr’n wir über’n See“ voller Inbrunst „ein Bruder war nicht dran“ anstatt „ein Ruder war nicht dran“ sang. Später machte er sich systematisch daran, Verhörtes zu sammeln. Dabei stieß der Autor zunächst im Netz auf Seiten, die sich englischsprachiger Liedtexte annahmen. Von einer grausigen Gestalt namens „Louis, the bone-eater“ berichtete da etwa ein Nutzer, der erst viel später erfuhr, daß Madonna vom ganz und gar nicht grausigen Leben auf „La isla bonita“ sang. Eine weniger gruselige Gestalt ist der titelgebende „weiße Neger Wumbaba“ – der steigt im deutschen Volkslied „Der Mond ist aufgegangen“ aus dem Wiesen, und zwar als „der weiße Nebel wunderbar“.
Anzeige Schnell wurde Hackes Verhör-Projekt, als Kolumne in einer Zeitung gestartet, zum Selbstläufer – Leser und Besucher seiner Lesungen schickten und erzählten ihm ihre ganz persönlichen Verhör-Erlebnisse. Die reichen von traumatischen Kindheitserinnerungen – ein Leser erinnert sich, als Kind stets „morgen früh, wenn Gott will, wirst Du wieder gewürgt“ verstanden zu haben – bis hin zu lustigen Begebenheiten, wie die von einem Kind, das zuhause erzählte, daß der Erdbeerschorsch in die Schule komme, um die Klasse zu filmen. Ein Anruf bei der Lehrerin klärte, daß vielmehr der Erzbischof komme, um die Kleinen zu firmen.
Seine Verhörsammlung hat Axel Hacke in dem Buch „Der weiße Neger“ zusammengefaßt, unterhaltsam illustriert von Michael Sowa. Die Hör-CD zum Buch ist eine Live-Aufnahme, bei der Hacke zwar auch aus seinem Buch liest, aber auch neue Anekdoten zum Besten gibt und dabei nicht nur als Autor, sondern auch als Conferencier zu überzeugen weiß. Man muß nur genau zuhören.