Ein digitaler Ritt durch die Weltgeschichte : Fischer Weltgeschichte
Globalisierung und Digitalisierung hinterlassen in der Geschichtswissenschaft immer deutlichere Spuren. Seit einigen Jahren spannen junge Wissenschaftler ihre aus historischen Fachinformationen gewebten digitalen Netze über den ganzen Erdball. Sie haben den Elfenbeinturm der Fakultäten verlassen und möchten alle interessierten Internetbenutzer am historischen Wissen dieser Welt teilhaben lassen. Das gebündelte historische Wissen von der Welt, also Synthese statt Vielfalt, sucht man hier allerdings vergebens. Der neueste Band aus der Digitalen Bibliothek schafft hier Abhilfe. Auf dieser CD-ROM kann jetzt jeder bequem in der Weltgeschichte herumsurfen.
Sie ist die digitale 1:1-Kopie der 36-bändigen Originalausgabe aus dem Fischer Verlag, die zwischen 1965 und 1981 erschienen ist und an der über 80 renommierte Fachwissenschaftler beteiligt waren. Das editorische Mammutwerk spannt den Bogen von der Vorgeschichte der Menschheit auf allen Erdteilen bis zum 20. Jahrhundert und den Weltproblemen zwischen den Blöcken. Die restlichen 34 Bände sind polyzentrisch angelegt: Jeder einzelne Band konzentriert sich auf die historische Entwicklung eines bestimmten Kulturkreises, Kontinents oder weltpolitisch dominanten Staates. 1.120 Abbildungen illustrieren diesen universalhistorischen Rundumschlag.
Leider bleibt jede Monographie wissenschaftlich auf der Höhe jener Zeit stehen, in der sie erschienen ist.
Und das Erscheinungsjahr kann wie beim ersten Band bis zu 40 Jahre zurückliegen. Neuere sozial- und kulturgeschichtliche Erkenntnisse sind ebenso wenig in den einzelnen Ausgaben zu finden wie aktualisierte Bibliographien. Vor allem Letzteres ist ein Manko, das fast alle bisher in der Digitalen Bibliothek erschienenen Handbücher und Lexika miteinander teilen.
"'Die 80er Jahre könnten noch weit größere Katastrophen bringen als die Wirtschaftskrise der 30er Jahre.' Werden wir diesen Herausforderungen gewachsen sein?" Mit diesem Auszug aus dem Bericht der Nord-Süd-Kommission unter dem Vorsitz von Willy Brandt und einer offen in die Zukunft gerichteten Frage endet der letzte Band der Fischer Weltgeschichte. Eine redaktionelle Fortschreibung der Geschichte bis in die Gegenwart aus Gründen der Aktualität wäre in diesem Punkt auch unklug gewesen. Denn über die politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten 20 Jahre kann der Historiker nicht wirklich seriös urteilen. Die zuverlässigen Chroniken aus dem Hause Fischer oder Harenberg können diese "historische" Lücke viel besser schließen.
Doch die digitale Version eines wissenschaftlich und politisch in die Jahre gekommenen Handbuchs besitzt ganz andere Vorteile. Endlich ist es möglich, über Stichwortsuche aufschlussreiche Querverweise über alle Epochen und Kulturen hinweg zu erhalten. Allein für den Begriff "Aufklärung" ermittelt die Software 236 Fundstellen in 28 Bänden. Solche Sucherfolge zeigen dem Leser zum Beispiel, was man in Japan oder Peru unter Aufklärung verstand oder wie sich im Zeitalter der europäischen Aufklärung diese Staaten entwickelten. In der gedruckten Ausgabe ist solch eine Suche aussichtslos. Zudem kostet sie gut das Zehnfache der digitalen.
Und für dieses Geld bekommt der Käufer bei der Digitalen Bibliothek wie immer zahlreiche nützliche und in dieser Form einzigartige Such-, Sortier und Kopierfunktionen geboten. Ohne Probleme findet sich der Benutzer auf der sehr einfach und klar strukturierten Arbeitsoberfläche zurecht. Die wichtigsten Funktionen wie Inhalt, Bilder, Suche, Marker oder Notizen sind auf der linken Seite des Bildschirms untergebracht und durch Symbole eindeutig gekennzeichnet. Wer sich aber in die Feinheiten des elektronischen Editierens und Sammelns von Textinformationen vertiefen möchte, greift am besten zum sehr verständlich formulierten Beiheft oder klickt nach dem Programmstart die noch ausführlichere Hilfe-Funktion an.
Hier wird der User unter anderem über die Neuheiten der überarbeiten Programmversion 4.00 informiert. Mit dieser Version ist nämlich ein von vielen Rezensenten und Nutzern geäußerter Wunsch in Erfüllung gegangen. Der neue Programmbereich Bibliotheksverwaltung (DigibibPlus) ermöglicht nach einer namentlichen Lizenzierung die Festplatteninstallation und damit die parallele Nutzung mehrerer Bände. Erweiterte Recherchefunktionen helfen dabei diesen Service auch sinnvoll zu nutzen. Nun kann man die bereits 1999 von der Directmedia Publishing GmbH digitalisierte, wissenschaftlich aber leider noch überholtere Propyläen Weltgeschichte leicht mit der Fischer Weltgeschichte vergleichen.
FAZIT: Weltgeschichte auf einer exzellent digitalisierten Scheibe.