Glückliche Fügung beinhaltet zwölf kurze Beobachtungen des Alltags der jungen Trägerin des Lessing-Förderpreises 2003 Anke Stelling. Singles und Paare, Freunde, Verliebte und solche, die es gerne wären, geben sich die Klinke in die Hand, während sie die Unmöglichkeit des Glücklichseins illustrieren.
Der Name dieses Kurzgeschichtenbandes Glückliche Fügung muss wohl Ironie sein, denn statt der dem Happy End, dem positiven Zufall, der versprochen wird, steht in den zwölf Geschichten nur die Tristesse des Alltags im Vordergrund. Eine Frau kommt dann doch mit dem Mann zusammen, den sie so verzweifelt begehrt, nur um festzustellen, dass es sie eigentlich nicht glücklich macht. Eine andere bleibt Single und ist genauso unzufrieden. Einen Mann stört die Kälte seiner Frau, einen anderen die Tränenseligkeit seiner Freundin. Nein, von einer glücklichen Fügung ist wirklich nichts zu spüren.
Anke Stelling zeichnet in ihren Geschichten eine gewisse Weltschmerz-Mentalität, aber ohne die großen Gefühle, die einst Werther zur Weltliteratur haben werden lassen. Ihre Charaktere sind eher geprägt von einer Generation-X-Orientierungslosigkeit und Mittelmäßigkeit. Dabei sind die Beobachtungen der Autorin durchaus zutreffend, ihre Sprache ist souverän in ihrer kühlen beobachtenden Distanz, aber es kommt der Punkt, an dem auch der pessimistischste Leser sich nach ein wenig Abwechslung sehnt. Ob sie nun Biggi, Sonja oder Hellmut heißen, es ist immer die gleiche Figur, die in verschiedenen Lebenssituationen und Altersstufen auftritt und sich dem Glück verweigert.
Die 1971 geborene Autorin, die zusammen mit Robby Dannenberg für ihren Roman Nimm mich mit den Lessing Förderpreis 2003 erhielt, ist ohne Frage talentiert. Es gelingt ihr, mit ihren Worten Bilder und Stimmungen zu beschwören und den Alltag lebendig zu machen. Andererseits ist zu hoffen, dass sie ihren Weltschmerz in der Zukunft mit ein bisschen Farbe und Emotion auflockert oder doch wenigstens variiert. Noch wirken viele ihrer Figuren wie Jugendliche, die mit ihrem eigenen Unglück kokettieren.
Fazit: Kurzgeschichten über den Alltag, die neugierig auf weitere Werke der jungen Autorin machen