Heinrich verliebt sich in den wesentlich jüngeren Gert und entdeckt dabei seine Liebe zu Hanna neu, mit der er seit dreißig Jahren verheiratet ist. Mit entwaffnender Offenheit erzählt Uwe Bolius in dem stark autobiografisch gefärbten Roman heinrich; hanna; gert von den dramatischen Folgen des "süßen Terror Liebe".
Als Gert in sein Leben tritt, entwickelt Heinrich homoerotische Sehn-süchte, die er genießt und ausleben möchte. Aus dem Wunsch heraus, die dreißigjährige Beziehung zu seiner Ehefrau Hanna nicht aufs Spiel zu setzen oder sein Familienleben mit den beiden gemein-samen Kindern zu gefährden, bemüht er sich um einen ehrlichen Umgang mit allen beteiligten Personen. Die Öffnung seiner Frau gegenüber führt zu einer vorher nie gekannten Nähe, auch körperlich. Doch das größere sexuelle Verlangen entwickelt er nach Gert, der wiederum an seine "große Liebe" Kristof gebunden ist. Die Unvereinbarkeit der unterschiedlichen Bedürfnisse reißt die Protagonisten in einen Strudel der Gefühle. Eine wahre Befriedigung findet Heinrich schließlich am ehesten in seinem schöpferischen Leben als Künstler und Intellektueller.
Der mehrfach ausgezeichnete Schriftsteller und Filmemacher Uwe Bolius setzt sich in seinem dritten Roman heinrich; hanna; gert literarisch mit der Vielschichtigkeit möglicher (Liebes-) Beziehungen auseinander. Ein Roman voller Intensität und Reflexion, der Leserinnen wie Leser gleichermaßen mitreißt.
"Als Heinrich ein Jüngling war, beschloss er, die Menschheit zu retten. Kaum erwachsen beschloss er mangels Menschheit, damit bei sich selbst zu beginnen: er heiratete Hanna. Aber erst, als er die Fünfzig schon überschritten und, aus der Krise der Lebensmitte, beschlossen hatte, die Fülle der Weltrettungsthemen, die ihn beschäftigten, ein bisschen zu reduzieren, um sich für den Rest seines Lebens, der ihm noch blieb, auf ein einziges zu konzentrieren, das sinnigerweise "Dritte Welt" hiess, was die Zahl der potentiell durchzuführenden Rettungstaten nur noch erhöhte - erst da lernte er Portugiesisch und beschloss, sich auch das Filmhandwerk anzueignen."
Aus "heinrich hanna gert", Roman, dessen Verfasser 1940 in Linz/Österreich geboren wurde. Heute ist Uwe Bolius verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Wien. Die liebevoll-ironische Erinnerung an die Vergangenheit, wie sie oben beschrieben ist, bedeutet nicht, dass er irgendetwas an ihr bereute oder zurücknehmen müsste. Im Gegenteil: würde er noch einmal geboren, würde er wieder so leben. In meinem Alter darf man es schon im Imperfekt ausdrücken: das Leben war schön. Und, was vielleicht manche verwundert, es wird immer schöner.
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Uwe Bolius heinrich; hanna; gert; Books on Demand, Norderstedt 436 Seiten, EUR 27,00 ISBN 3-8311-1430-7
Onlineportal http://www.paashaas.de, 8. April 2003 Manuela Klumpjan Endlich mal ein Roman, der beide Geschlechter anspricht. Der Autor versteht es auf besondere Weise, die Szenarien, Gedanken und Gefühle der einzelnen Personen, sowie die Gesamtproblematik der unterschiedlichen Geschlechterwelten in lebendige, teils humoristische, teils dramatische Worte zu fassen. Gesamturteil: absolut lesenswert, unterhaltsam, zeitkritisch. Einfach gelungen!
Literaturzeitschrift "Volltext", Wien, 2/2003 Homepage: http://www.volltext.at Uwe Bolius, Vater von drei Kindern und Dokumentarfilmer, legt seinen dritten Roman vor. Die Not der Menschen zu lindern, ja "die Welt zu retten", war ein großes, vielleicht zu großes Ziel, das sich der Autor als junger Mann gesetzt hatte. Heute schreibt der bekennende Linke: "Mit 61 darf man es schon im Imperfekt ausdrücken: das Leben war schön. Und, was vielleicht manche verwundert, es wird immer schöner." Vorliegender Roman ist der beste Ausdruck dieses Lebensgefühls.
Onlineportal http://www.gayboy.at, Wien, 25. April 2003 Redakteur: Mert Am 24. April 2003 hat der 63-jährige Schriftsteller und Filmemacher Uwe Bolius im Galerieraum des Cafe Berg seinen bisher dritten, stark autobiographisch gefärbten Roman vorgestellt. Die ausgewählten Textpassagen geben Einblick in die Differenziertheit und Vielschichtigkeit möglicher (Liebes)-Beziehungen, die der Autor vor dem Hintergrund des kulturellen und politischen Schauplatzes Wien erzählt. Auch für die sehr ausführlich geschilderten sexuellen Erlebnisse und Begegnungen (u.a. im Rathauspark), die man durchaus als "pornographisch" bezeichnen kann, bediene er sich "nicht", meint er, "der pornographischen Sprache".
Literaturzeitschrift "Buchkultur", Wien, Juni/Juli 2003 Homepage: http://www.buchkultur.net Sylvia Unterrader Alles wird schonungslos, intensiv und reflektierend erzählt, man weiß, es ist Wirklichkeit, leidet mit Heinrich. Doch als er seiner Frau offenbart, dass Gert in seinem Leben aufgetaucht ist, sie wohl die wichtigste Rolle spielt, er aber seine homosexuelle Seite ausleben muss, hat Hanna das Mitgefühl des Lesers. Uwe Bolius beschreibt die Gedanken und Gefühle der handelnden Personen in ungewöhnlicher Offenheit - wie auch Heinrich seine Beziehungen lebt. Und so stellt man sich als Leser unweigerlich die Frage, unter welchen Bedingungen Beziehungen funktionieren können.
Lambdanachrichten, Juli 2003 Zeitschrift der Homosexuellen Initiative Wien Homepage: www.hosiwien.at Helga Pankratz Dieser insgesamt dritte Bolius-Roman ist eine Zwischenbilanz über ein im großen und ganzen erfolgreiches Leben, in dem der Entschluss eines Mannes, weder auf Ehe und Kinder zu verzichten, noch auf ein aufregendes Sexualleben mit Männern, auf dem Prüfstand steht. Die erfüllende Integration derbeiden Leben gelingt Heinrich (noch?) nicht. Das tatsächlich zu erreichende "Mehr" an Glück und Befriedigung liegt möglicherweise wo anders: im schöpferischen Leben als Künstler und Intellektueller, mit dem der Roman endet.
Mario Wirz, Schriftsteller, persönlicher Brief an den Autor, Berlin, 28. September 2003
Lieber Uwe Bolius, habe deinen Roman gelesen, schaue mit Sympathie auf die Seelenlandschaft der Protagonisten, das Thema der Obsession ist spannend, hätte Dich aber als Lektor zu rabiaten Kürzungen animiert. Besonders mag ich Hanna, Heinrich und Gert gehen mir ein bisschen auf die Nerven mit ihren Verschwatztheiten, ihren Verklemmtheiten und Stilisierungen. Fasziniert hat mich die Alter-Erotik-Sex-Verlangen-Ebene, diese quälende Wirrnis, aber auch der "Frühling im Herbst". Ich wünsch deinem Roman viele LeserInnen, viel Erfolg, in jeder Hinsicht, sehr herzlich, Mario Wirz.