Inzwischen reicht es Briegel, dem Busch, und Chili, dem Schaf, nicht mehr aus, Bernd, das dauerdeprimierte Kastenbrot mit den viel zu kurzen Armen, gegen seinen Willen in ihren Fernsehshows als Partner für gefährliche Stunts und Versuchsperson für wissenschaftliche Experimente einzuspannen – nein, jetzt haben sie auch noch sein Privatleben ausgeschlachtet, um das erste offizielle Buch zum Brot herauszubringen.
Dafür haben sie zunächst seine Wohnung ausgeräumt und alles mitgenommen, was sich irgendwie dazu verwenden lassen könnte, ein Buch über Bernd zu füllen: sein Tagebuch, geheime Aufzeichnungen über Fluchtpläne aus dem KI.KA-Studio, ja, sogar ein Stück seiner Raufasertapete, auf die Bernd in seiner Freizeit so gern starrt, haben sie für das Buch entwendet. Kein Wunder, daß Bernd alles andere als begeistert über das Buch ist.
Deswegen warnt er den Leser auch gleich im Vorwort: „Freue Dich. Du hast ein Kilo Altpapier gekauft.“ Doch all seine Versuche, das Buch doch noch zu sabotieren, nutzen nichts, alles kommt ans Licht: Bernds Ansichten über die Sendungen, in denen er mitspielen muß, seine ausgeklügelten Fluchtpläne nach Bielefeld, dem Mekka der Langeweile, dazu noch Bernds Kündigungsschreiben an den KI.KA, das nie ankam, weil seine Arme zu kurz waren, um es in den Briefkasten zu werfen, ja, sogar seine Gedichte haben Chili und Briegel ausgegraben. Auch die Noten für die Brot-Hymne „Tanzt das Brot“ und Bernds Original-Rezept für seine Leibspeise, die Mehlsuppe, dürfen natürlich nicht fehlen.
Den Höhepunkt, und das einzige, was Bernd wirklich an dem Buch gefällt, ist das Kapitel über seine Raufasertapete, auf der er selbst die langweiligsten Stellen markiert hat, darunter eine, auf die er einmal zwölf Stunden lang ohne zu blinzeln gestarrt hat – sein persönlicher Rekord, wie er nicht ohne Stolz vermerkt. Neben dem Raufasertapeteanstarren stellt Bernd auch seine anderen Lieblings-Freizeitbeschäftigungen vor: Testbild bewachen, Löcher in die Luft starren oder Räuber und Gendarme-Solitaire.
Auf leider nur 54 Seiten zündet das Autoren-Trio Krappweis, Haffner und Cöster eine Pointe nach der anderen. Mit Bernd, der mittlerweile sogar mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, haben sie ein wahres Kunststück vollbracht: eine Kinderserien-Figur, die sich eigentlich allen üblichen Merkmalen für solche Figuren widersetzt, völlig ohne pädagogisch erhobenen Zeigefinger daherkommt und darüber hinaus auch von Erwachsenen geliebt wird. So wird dieses Buch seine Leser sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen finden.
Aufwendig und mit viel Liebe zum Detail gestaltet, sprühend vor hintersinnig-bösem Humor – mit diesem Buch startet Bernd endgültig zum Großangriff auf die Lachmuskulatur. Hat sich das Zwerchfell erst einmal vom Vorwort erholt, wird man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Kultverdächtig!