Humor ist, wenn man trotzdem lacht - dies ist die Grundhaltung von Walter Frank, dessen satirischer Kommentar zur Lage der Nation 'Vögel pfeifen's von den Dächern' an seinen Erfolg 'Laster abstellen verboten' anknüpft. Wie sonst gelänge es dem gebürtigen Hessen, angesichts der Tragikomik in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, neben aller Bissigkeit so pointiert witzig zu schreiben?
Vielleicht lässt sich dieser Witz aus seiner optimistischen Grundhaltung erklären. Von sich selber sagt der Autor, er versuche nicht nur Gesellschaftskritik zu üben, sondern auch und vor allem Anregungen und Ideen zu einer Verbesserung der Situation zu geben.
Es kann niemandem verborgen geblieben sein, dass die Gegenwart ihm reichlich Stoff für beides liefert: Die Kritik und die Wege aus der Krise. Von der Frankfurter Buchmesse bis George W. Busch bleibt nichts und niemand von seiner spitzen Feder verschont. Walter Frank hat ein ausgezeichnetes Gespür dafür, den Finger auf die wunden Punkte zu legen. Sprachlich geht 'Vögel pfeifen's von den Dächern' über das 2001 erschiene Vorgängerwerk 'Laster abstellen verboten' hinaus. Während dieses sich noch ausschließlich auf die Versform beschränkte, finden sich in 'Vögel.' auch kurze Prosatexte zu Soziologie, Frieden auf Erden und der Quadratur des Kreises (oder sollte das etwa das Gleiche sein?). Wer weiß, vielleicht hat der Autor das Gefühl, dass Lyrik nicht mehr ausreicht, um dem alltäglichen Wahnsinn Worte zu verleihen. Spätestens seit Pumuckl wissen wir schließlich: Was sich reimt ist gut. Und es ist eben nicht alles gut im Staate Deutschland.
Wissenschaftsgläubigkeit als Religion ist die Devise, und wer kennt ihn nicht, den Satz, mit dem man alles rechtfertigen kann, vom Schokoladenkonsum bis zum Wettrüsten. Doch egal ob gereimt oder erdichtet, es ist ein Genuss, Franks kleinen Bosheiten zu folgen. Er schöpft nicht nur aus einem weiten Feld der gegenwärtigen Krisen, er ist auch ein Meister der literarischen Anspielungen. Ob Schiller, Hesse oder Tolkien, er kennt ihre Worte, und er benutzt sie wie ein geübter Florettfechter, der feinen Stiche den groben Keulenhieben vorzieht.