Unter der Schirmherrschaft der durchsetzungsfähigen Jocelyn beschließen sechs Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, ihrer einen gemeinsamen Liebe zu huldigen: Jane Austen. Mit dem Vorsatz, jeden Monat einen der Romane zu lesen, beginnt ein ungewöhnliches Projekt, das bald überraschende Früchte trägt.
Ein Kontroll-Freak, eine frisch Geschiedene, eine Laberbacke, eine Französischlehrerin, eine Lesbe und - man mag es kaum glauben - ein MANN!, jede(r) auf ihre (oder seine) Art in einer Lebenskrise, die in fast allen Fällen etwas mit Hormonen zu tun hat, tun sich zusammen, um ihrer gemeinsamen Leidenschaft zu frönen, den Romanen der englischen Schriftstellerin Jane Austen. Sie beschließen, sich einmal im Monat zu treffen, und jedes Mal steht ein anderes Werk auf dem Programm.
Die Mitglieder sind Feuer und Flamme, doch bald erkennen sie, dass sie mit den Figuren ihrer Lieblingsschriftstellerin unerwartete Wahrheiten und Erinnerungen in ihr Leben lassen. Ein verhängnisvoller Sommer gewinnt ebenso an Bedeutung wie eine Ex-Geliebte oder ein aufsässiger Schüler. Doch Jane wäre nicht Jane, wenn sie nicht am Ende alles richten würde - und daran ändert auch ein zeitlicher Abstand von ein paar hundert Jahren nicht das Geringste.
Karen Joy Fowlers Roman Der Jane Austen Club ist ein Buch, dessen Titel wohl jeden Literaturfreak zum Kauf verführt. Immerhin gehört Jane Austen auch außerhalb der Buchdeckel und ihrer fiktiven Welt zu den Ewigjungen der Literatur. Das sieht man nicht nur an den zahlreichen Verfilmungen, auch die verschiedensten Fortsetzungen und Spin-offs bevölkern die Regale der Buchhandlungen.
Allerdings muss besagter Literaturfreak bald erkennen, dass zwar über Austens Figuren gesprochen wird, doch letzten Endes sind sie nicht mehr als die Stichwortgeber für Fowlers eigenes Personal. In sechs Episoden werden nacheinander die mehr oder weniger verflochtenen Schicksale ihrer Helden beleuchtet. Das liest sich teils rührend, teils witzig und immer zeitnah und modern, doch mit Austen hat es eigentlich sehr wenig zu tun.
Und genau das ist der Punkt, an dem der Roman enttäuscht - es kommt zu keiner wirklichen Interaktion zwischen den Zeitebenen, nicht einmal zu herausgearbeiteten Parallelen, so dass Austen durch Shakespeare, Byron oder auch Douglas Adams ersetzt werden könnte, ohne dass es dem Fluss der Geschichte schaden würde. Einziger Vergleichspunkt ist allenfalls das Ende mit seiner Austen'schen Paarbildung.
Was unterm Strich bleibt ist ein vergnügliches Lesevergnügen, vorwiegend für Frauen, dem allerdings jeder Anspruch auf Dauerhaftigkeit fehlt. Das mag kein Nachteil sein, man sollte aber wissen, worauf man sich einlässt, bevor man sich Fowlers Welt anvertraut. Eine Reise zu Jane Austen und ihren Figuren ist es jedenfalls nicht.
Fazit: Harmloser Lesespaß, perfekt geeignet für lange Herbstabende